"Einstieg Deutsch": Mittel für Sprachkurse aufgebraucht
21. Februar 2018. Im Seligenstädter Sprach- und Begegnungszentrum FLIDUM wurde das Sprachlern-Modell "Einstieg Deutsch" in Kooperation mit der VHS des Kreises vor einem Jahr gestartet. Jetzt droht das Aus.

"Sprache als Kernelement der Integration" – soweit die politische Botschaft ... die Realität sieht anders aus. Leider! Hier die Nachricht des Deutschen Volkshochschul-Verbands e. V (DVV) aus einer Mitteilung der Sprachkoordinatoren des Kreises Offenbach:

DVV-Sprachkursangebot „Einstieg Deutsch“ wird leider nicht weiter gefördert!
Leider wird das Sprachangebot „Einstieg Deutsch“ – das vom Deutschen Volkshochschulverband koordiniert wurde – nicht mehr weiter gefördert. Das Programm war sehr attraktiv – gerade für Menschen ohne Bleibeperspektive. Insbesondere die vorgegebene Begleitung durch Ehrenamtliche war in Stadt und Kreis Offenbach ein Erfolgsmodell. Möglich waren ebenso eine Förderung von Exkursionen und Kinderbetreuung. Nach Auskunft des DVV war das Projekt so erfolgreich, dass die bewilligten Mittel bis Ende 2018 gebunden sind und der DVV keine neuen Bewilligungen mehr aussprechen kann. 
 

Nicht betroffen sind die Deutschkurse, die im FLIDUM der AK Willkommen in Seligenstadt realisiert. Die Finanzierung dieser Kurse wird durch die Spenden und das Einbringen der Lehrtätigkeit der Ehrenamtlichen aufrechterhalten. 

 

Familiennachzug: Ein Kommentar zur Entscheidung des Bundestages
3. Februar 2018. Der Deutsche Bundestag hat mit den Stimmen von CDU und SPD die Verlängerung der Aussetzung der Familienzusammenführung für Geflüchtete mit subsidiärer Anerkennung auf den 1.8.2018 beschlossen. Danach soll ein Kontingent von maximal 1.000 Familienangehörigen und eine wie auch immer geartete Härtefall-Regelung gelten. Nach den veröffentlichten Umfragen finden 60 Prozent der Deutschen das gut, 40 Prozent nicht. Ich persönlich finde es nicht gut, aber in der Demokratie gibt es Spielregeln.

Was mich bewegt zu diesem Kommentar ist Folgendes:
Wie haben die betroffenen Geflüchteten in Seligenstadt darauf reagiert?! Es gab Tränen, auch nur stille Trauer. Eine Frau, deren kleines Kind noch in Eritrea ist, musste wegen einer Herzattacke mit dem Notarztwagen ins Krankenhaus gebracht werden. Ob der aktuelle Beschluss die Ursache war, weiß ich nicht, gesundheitsförderlich war er sicherlich nicht.

Und meine Frage ist:
Was machen wir mit den Menschen in Seligenstadt, die hier sind? Es geht ja nicht nur um die Familienzusammenführung, sondern auch um die Frage, was konkret mit den Menschen passiert, die hier sind – ständig in der Angst, abgeschoben zu werden. Welche Antworten gibt es? Alle rechtskräftig nicht Anerkannten sollen abgeschoben werden, so lautet ein Vorschlag. Wir haben sehr viele Geflüchtete aus Afghanistan – wie unsicher es dort ist, wird fast täglich in den Medien  dokumentiert. 25 Kinder unter drei Jahren, 34 Frauen – alle zurückschicken? Sind die Befürworter auch bereit, ihnen das zu sagen – von Angesicht zu Angesicht? Das wäre u. a. die Konsequenz für die Seligenstädter Geflüchteten.

Mit den Ratschlägen an die Geflüchteten über das richtige Verhalten bei uns in Deutschland tun wir uns viel leichter: Lerne Deutsch, halte dich an die Gesetze, achte unsere Kultur, suche dir Arbeit, mache nachts die Lampen an deinem Fahrrad an, achte unseren Glauben und unsere Bräuche – das kommt vielen leicht über die Lippen. Es fehlt dann nur noch der Satz: Deine Familien wollen wir hier nicht und sobald sich die Möglichkeit dazu ergibt, schicken wir dich zurück.Jeder muss das mit sich ausmachen, ich jedenfalls habe für mich eine Entscheidung getroffen: Ich sehe weder unsere Stadt, noch unser Land oder sonst wen damit überfordert, wenn wir diesen Menschen eine Chance geben, in Seligenstadt zu bleiben.

Burkard Müller 

 

Informationsknotenpunkt: Handbookgermany.de 
1. Februar 2018. Ein Informationsportal für geflüchtete Menschen stellt handbookgermany.de dar: "Wir wollen nicht FÜR, sondern MIT den Menschen, die unsere Seite besuchen, arbeiten", schreiben die Initiatoren auf ihrer Website. handbookgermany.de will vertrauenswürdige Informationen aus erster Hand liefern und Grundlagenwissen zum Leben und Arbeiten in Deutschland vermitteln. Die mehrsprachige Redaktion bündelt bestehende Informationsangebote. Transportiert werden die Inhalte vor allem über kurze Videos in mehreren Sprachen: Deutsch, العربية (Arabic), English, فارسی/دری (Persisch).

Die Redaktion versteht die Website als "Informationsknotenpunkt für Deutschland". Sie teilt und verbreitet ihre Informationen vor allem über Facebook- und What's App-Gruppen, Blogs und Twitter. Hinter Konzept und Redaktion von handbookgermany.de steht der Neue deutsche Medienmacher e.V. (NdM), "ein Zusammenschluss von Medienschaffenden mit und ohne Migrationsgeschichte, die sich für mehr Vielfalt in den Medien einsetzen und u. a. geflüchtete Journalist*innen unterstützen". Finanziert wird das 2016 gestartete Projekt handbookgermany.de von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Integration und Flüchtlinge, in Zusammenarbeit und mit Unterstützung der Partner Telekom und Adobe.

 

Plakate unterstützen die Wohnungssuche
22. Januar 2018. Mit einer Plakataktion zur Unterstützung der Geflüchteten, die eine Wohnung suchen, startet der AK Willkommen in dieser Woche. Plakate in verschiedenen Größen werden an den Kultursäulen und den Aushängen der Stadt Seligenstadt angebracht. Ziel der Aktion ist, die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf das ungelöste Problem der Unterbringung anerkannter Geflüchteter zu lenken. Das Plakat verweist auch auf das Video, das im Auftrag des AK Willkommen zu dieser Problematik erstellt wurde und über YouTube abrufbar ist.

Stichwort Wohnungssuche: Die Gesamtproblematik wird immer dringender. Immer mehr Asylbewerber erhalten ihre Anerkennung. Bedingt durch die Arbeitsmarksituation in Seligenstadt und Umgebung, aber auch aufgrund der qualifizierten Sprachausbildung haben die Geflüchteten an Relevanz für den Arbeitsmarkt gewonnen. Mehr als 70 Arbeitsplätze und mehr als 15 Ausbildungsplätze konnten bereits an suchende Unternehmen und Arbeitgeber vermittelt werden.

Das Plakatmotiv:


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Schulaufsatz
12. Januar 2018. N. ist fast 14 Jahre alt. Er ist mit seinem Vater aus Afghanistan geflohen und wohnt nun in Seligenstadt. Deutsch kann er schon sehr gut sprechen. Vater und Sohn haben bereits den Status der Anerkennung, die Familienzusammenführung wurde vor einem Jahr beantragt. Die Mutter wohnt mit einem weiteren Kind 2.000 km entfernt von Teheran. Als Frau kann sie allerdings nicht alleine reisen, sie wäre „Freiwild“. Familienzusammenführung ist für die Geflüchteten auch eine große finanzielle Herausforderung. Viele müssen nach der Genehmigung erst Jahre dafür sparen. Auch der bürokratische Aufwand ist enorm. Der AK Willkommen unterstützt nach Kräften die Bemühungen, die Familie zusammenzuführen. Im Schulunterricht hat N. einen Aufsatz geschrieben. Den Text veröffentlichen wir hier mit seinem Einverständnis:

Eine Flucht eines Vaters mit Sohn von Herat in Afghanistan nach Deutschland

Die Menschen in Afghanistan haben Angst. Taliban (religiöse Fanatiker) kämpfen mit Bomben und Waffen gegen die Regierung und töten viele Menschen. Wer nicht will, wie die Taliban es wollen, wird erschossen. Viele Menschen haben Angst um ihr Leben und flüchten. Vater S. flüchtet mit Sohn N. Richtung Deutschland.

Die Flucht beginnt. Das Ziel, die Grenze in den Iran, wird an einem Tag erreicht. Zwei Schlepper führen die Flüchtlinge durch das Land bis zur türkischen Grenze. Der Umgang miteinander ist geprägt von Angst und Gewalt. Ziel ist ein illegaler Grenzübergang in die Türkei. Iranische Grenzpolizei versucht mit Schusswaffen, den Grenzübergang zu verhindern. Alle haben große Angst.

Der Grenzübergang ist gelungen. Nach einem Tag im Schlepperhaus bekommen die Flüchtlinge eine Aufenthaltserlaubnis für die Türkei (4 Wochen). Mit Gummibooten bringt man die Flüchtlinge über die Ägais nach Griechenland. Auf der Insel Lesbos verbringen die Flüchtlinge Zeit in Lagern, wo sie registriert werden.

Sie sind nach langen Fußmärschen in Europa angekommen. Trauma. Wochenlange Fußmärsche. Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn, Österreich, Deutschland. Vater S. und Sohn sind im Aufnahmelager Gießen angekommen und werden registriert. Nach 2 ½ Jahren in einem Flüchtlingsheim in Seligenstadt.

Hier hat der Vater eine Arbeitsstelle und eine Wohnung gefunden. Hoffentlich dürfen Mama und Geschwister von N. auch bald nach Deutschland kommen und als Familie miteinander leben. Das wäre schön!!!

 

Integrationskonzept: Der zäheste aller Prozesse
Warum es nicht gelingen will, die Bemühungen zu Papier zu bringen 
10. Januar 2018. Seligenstadt/Hainburg - An einem der „dienstältesten“ Beschlüsse der Seligenstädter Stadtverordnetenversammlung beißt sich die Verwaltung seit 13 Jahren die Zähne aus. Aber auch im benachbarten Hainburg kommt das Projekt Integrationskonzept nur mit Mühe voran. ...
www.op-online.de...

 

Abwärtstendenz bei Flüchtlingszuteilung
Zahl der Menschen mit Anerkennungsstatus steigt
6. Januar 2018. Seligenstadt - Die Unterbringung von Asylbewerbern ist auch in Seligenstadt weiterhin ein Thema. Jeweils um die 160. 000 Euro hat die Stadt für die kommenden Jahre an Personal- und Sachkosten veranschlagt. ...
www.op-online.de...

 

Anzahl der Geflüchteten in Seligenstadt
4. Januar 2018.  Waren Ende 2015 bereits 262 Geflüchtete in Seligenstadt registriert, so ist die Anzahl mit 292 zum Jahresende 2017 nur leicht angestiegen. Den Höchststand erreichte Seligenstadt im Juni 2017 mit 328 geflüchteten Menschen:

- Anerkannt wurden davon mittlerweile 109 Geflüchtete.
- Auf eine Entscheidung ihres Asylantrags warten noch 183.
- Der Frauenanteil beträgt in Seligenstadt 40,4 % (118 Frauen).
- 72 Kinder im Alter von 0-10 Jahren leben in Seligenstadt (Anteil: 25,65 %), davon 40 Kinder unter drei Jahren.
- 26 Kinder sind zwischen 11 und 18 Jahre alt ( Anteil: 8,9 %).

Von den 292 Geflüchteten in Seligenstadt wohnen 246 Personen in Gemeinschaftsunterkünften der Stadt und des Kreises. 48 Personen sind privat untergebracht. Insgesamt wohnen noch 95 anerkannte Geflüchtete in Gemeinschaftsunterkünften – 30 in Einrichtungen des Kreises, 65 in Einrichtungen der Stadt Seligenstadt.

Diese Zahlen wurden dem Arbeitskreis nach der Sitzung des Ausschusses Jugend, Soziales und Bildung durch das Integrationsbüro der Stadt zur Verfügung gestellt. Sie beinhalten keine Aufgliederung nach Herkunftsländern. Zur weiteren Information hier ein Auszug aus der Pressemitteilung des Kreises Offenbach vom 12.12.2017:

Im Asylverfahren befinden sich, Stand Dezember 2017, 1.817 Flüchtlinge. Von denen, die seit Sommer 2015 angekommenen sind, wurden 2.926 anerkannt. Seit 2015 wurden mit Unterstützung der Pro Arbeit knapp 1.659 Flüchtlinge in den sogenannten ersten Arbeitsmarkt oder in eine Ausbildung vermittelt. Einige kehrten auch freiwillig in ihre Heimat zurück oder wurden abgeschoben. Die Zahl der Abschiebungen und Ausweisungen belief sich in diesem Jahr bisher auf 106; 72 Flüchtlinge sind freiwillig in ihre Heimat zurückgekehrt.

 

Das FLIDUM-Projekt

Ein der Integration von Flüchtlingen dienendes Projekt hat der AK Willkommen ins Leben gerufen: FLIDUM. Der Projektname steht für „ Flüchtlinge Lernen integrativ Deutsch und mehr“. Ziel von FLIDUM ist es, einen zentralen Ort für den Spracherwerb, die Ausbildung und Arbeitsfindung sowie einen festen Orientierungspunkt für den Austausch mit Behörden, Bürgern und Vereinen zu schaffen. Dafür werden Sponsoren gesucht.

Mit Unterstützung der Stadt Seligenstadt soll Mitte 2016 diese zentrale Einrichtung geschaffen werden. Sie sieht unter anderem mehrere, feste Klassenzimmer sowie einen virtuellen Klassenraum vor. Dadurch können verschiedene Deutschkurse parallel unter einem Dach stattfinden. Die räumliche Bündelung der zurzeit noch in vielen unterschiedlichen Räumlichkeiten stattfindenden Deutschkurse für Flüchtlinge wird einen effektiveren Unterricht ermöglichen. Zudem soll FLIDUM eine Vernetzungsstelle zwischen Flüchtlingen, Sprachhelfern, Vereinen, interessierten Bürgern, Wohnungseigentümern sowie Unternehmen, der IHK und der Agentur Pro Arbeit werden, um den Integrationsprozess zu fördern.

Interessierte Seligenstädter, Unternehmen und Sponsoren können sich zur Kontaktaufnahme direkt an den Arbeitskreis wenden: per Mail an Fluechtlinge(dot)Seligenstadt(at)gmail(dot)com.

Alle Fraktionen haben in der Stadtverordnetenversammlung am 30. November 2015 das Projekt FLIDUM des AK Willkommen in Seligenstadt Ehrenamtliche helfen Flüchtlingen unterstützt. Eingebracht hatte den Antrag die FDP-Fraktion im Stadtparlament. Der AK Willkommen hatte ein Konzeptpapier vorgelegt.

Vertreter der CDU, der Grünen, der SPD und der FDP wiesen in der Aussprache auf die wertvolle Arbeit der Ehrenamtlichen und die Notwendigkeit der Integration hin. Mit dem Projekt FLIDUM leisten der Arbeitskreis und die Stadt dazu einen wichtigen Beitrag.

   

Wichtige Hinweise des AK Willkommen zur Unterstützung durch Spenden

Informationen über Sachspenden finden Sie in der Rubrik Sachspenden.

Fahrradspenden: Bitte geben Sie nur funktionsfähige Fahrräder im Fundus ab (siehe Sachspenden).

Geldspenden: Der Arbeitskreis Willkommen in Seligenstadt – Ehrenamtliche helfen Flüchtlingen hat ein Unterkonto für Geldspenden bei der Kath. Pfarrgemeinde St. Marien in Seligenstadt eingerichtet. Sie können für Ihre Spenden an die Flüchtlingshilfe auch eine steuerrechtlich wirksame Spendenquittung erhalten. Die Spenden werden für die Flüchtlingshilfe und die damit verbundenen Aufwendungen, z. B. Deutschkurse, Fundus, Veranstaltungen oder Notunterstützung von Flüchtlingen verwandt. Sie können mit Ihrer Spende aber auch eine bestimmte Maßnahme unterstützen.

Spendenkonto:

Kath. Pfarrgemeinde St. Marien – Flüchtlingshilfe
Institut: Sparkasse Langen-Seligenstadt
IBAN: DE14 5065 2124 0001 1362 25
Verwendungszweck: Flüchtlingshilfe (oder spez. Verwendungszweck)

Herzlich einladen möchten wir Sie zu unseren Begegnungscafés.
Alle Termine finden Sie auch auf unserer Website.