Jahreswechsel

30. Dezember 2016. Man kann einige Menschen die ganze Zeit und alle Menschen eine Zeitlang zum Narren halten; aber man kann nicht alle Menschen allezeit zum Narren halten.
Abraham Lincoln

Immer wenn gewohnte Strukturen aufbrechen, sind unterschiedliche Gefühle und  Befindlichkeiten ständige Begleiter: Ängste, Unsicherheit, Spannung, Freude; Niederlagen und Hoffnungen; Aufgeben und Weitermachen. Heftigkeit und Häufigkeit dieser Empfindungen und Situationen überraschen. Viele Menschen sind den Widerstreit der Gefühle nicht gewohnt. Unsere Planungen drohen zu wanken; unser Vertrauen in andere und in uns selbst ist berührt.

Und dennoch ist das Ganze ein natürlicher und notwendiger Prozess, denn ohne das alles wird das Sicheinlassen auf  die erforderlichen Veränderungen, denen wir ob wir wollen oder nicht ausgesetzt sind, nicht erfolgreich zu  bewältigen sein. Die Natur zeigt uns seit Millionen von Jahren, dass nur überlebt. wer eine Strategie entwickelt, die diesen Veränderungen Rechnung trägt.

Vieles Gutes und Böses haben wir vor einem Jahr nicht für möglich gehalten. Dennoch ist es passiert. Vieles Gutes und Böses wird im Jahr 2017 geschehen. Unterschiedliche Strömungen treiben das Holz dahin und dorthin. Die stärkste Strömung treibt es an die richtige Stelle.

Sorgen Sie bitte mit dafür, das das Gute weiter strömt und noch stärker wird. Und: Danke für die vertrauensvolle Zusammenarbeit!

Ihnen/Euch ein 2017 in Frieden.

Euer/Ihr
Burkard Müller

 

Weihnachtsfrieden gerettet

22. Dezember 2016. Vorweihnachtliche Hiobsbotschaft für die Flüchtlinge an der Einhardstraße. Nach dem Willen den Kreises Offenbach sollten 32 Personen am heutigen Donnerstag in die Gemeinschaftsunterkunft des Kreises nach Weiskirchen verlegt werden.
Die Offenbach-Post berichtet über die erfolgreiche Petition des AK Willkommen in Seligenstadt:
www.op-online.de...

 

Auflösung der Containerunterkünfte

21. Dezember 2016. Um die Wohnsituation für in Seligenstadt lebende Flüchtlinge zu verbessern, sollen die vom Kreis Offenbach betriebenen Containerunterkünfte in Seligenstadt am morgigen Donnerstag, 22. Dezember, aufgelöst werden. Die dort lebenden Menschen dürfen nicht in Seligenstadt verbleiben, sondern werden in eine Gemeinschaftsunterkunft nach Weiskirchen verlegt.

Viele dieser Menschen haben sich in vorbildlicher Weise sehr intensiv mit den vielfältigen Angeboten zur Integration in Seligenstadt auseinandergesetzt und diese vielfach wahrgenommen. Sie nehmen regelmäßig am Sprachunterricht des Arbeitskreises im FLIDUM teil, haben Kontakte zu Seligenstädter Sportvereinen und der Kolpingfamilie aufgebaut und betätigen sich als Helfer im Rahmen von Veranstaltungen für andere Geflüchtete in Seligenstadt. Sie haben in Seligenstadt Freunde gefunden, fühlen sich akzeptiert und aufgenommen, integriert.

Durch die Verlegung nach Weiskirchen werden diese Aktivitäten und Kontakte sehr erschwert, wenn nicht gar unmöglich. Die Anstrengungen, die alle Beteiligten in die Integration und in den Aufbau dieser Beziehungen gesteckt haben, scheinen umsonst gewesen zu sein. Ein Teil der Bewohner der Containerunterkunft in der Einhardstraße verzichtet jedoch gerne auf eine mögliche verbesserte Wohnsituation zugunsten anderer Geflüchteter, die noch nicht so intensive Kontakte entwickelt haben. Diese Bewohner sprachen am 20. Dezember im Seligenstädter Rathaus vor und überreichten Bürgermeister Dr. Daniell Bastian ein an ihn und den Kreisbeigeordneten Carsten Müller adressiertes Schreiben mit der Bitte, sich für den Verbleib in Seligenstadt einzusetzen.


F otos: AK Willkommen

Wir wünschen uns, dass der für Donnerstag geplante Umzug ausgesetzt wird, um zu verhindern, dass die monatelangen Mühen aller Beteiligten zunichte gemacht werden.

 

Afghanistan ist sicher?

18. Dezember 2016. Geflüchtete aus Afghanistan, nach Meinung des stv. CDU-Vorsitzenden Thomas Strobl sogar Kranke (WELT-Interview vom 5.12.16), nach Meinung der stv. CDU-Vorsitzenden Frau Klöckner auch Schwangere (Offenbach-Post vom 5.12.2016), können nach Afghanistan abgeschoben werden. Die CSU begrüßt die Abschiebung. Leider ist auch aus anderen Parteien zu hören: So genau wisse man es nicht, ob die Lage in Afghanistan sicher ist!?

Ein Blick auf die  "Reiseempfehlung" des Auswärtigen Amts erleichtert die Einschätzung der Lage: 
http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/Nodes/AfghanistanSicherheit_node.html

Landesspezifische Sicherheitshinweise - Reisewarnung

Vor Reisen nach Afghanistan wird dringend gewarnt. 

Wer dennoch reist, muss sich der Gefährdung durch terroristisch oder kriminell motivierte Gewaltakte bewusst sein. Auch bei von professionellen Reiseveranstaltern organisierte Einzel- oder Gruppenreisen besteht unverminderte Gefahr, Opfer einer Gewalttat zu werden.

Für zwingend notwendige berufliche Reisen nach Afghanistan gilt: Der Aufenthalt in weiten Teilen des Landes bleibt gefährlich. Jeder längerfristige Aufenthalt ist mit zusätzlichen Risiken behaftet. Bereits bei der Planung des Aufenthaltes sollten die Sicherheitslage und die daraus resultierenden Bewegungseinschränkungen beachtet werden. Zudem sollte der Aufenthalt auf der Basis eines tragfähigen professionellen Sicherheitskonzepts durchgeführt werden.

Es wird empfohlen, sich bei Reisen nach Afghanistan möglichst schon vor Abreise in die Krisenvorsorgeliste ( http://elefand.diplo.de/ ) einzutragen.

In ganz Afghanistan besteht ein hohes Risiko, Opfer einer Entführung oder eines Gewaltverbrechens zu werden. Landesweit kann es zu Attentaten, Überfällen, Entführungen und andere Gewaltverbrechen kommen.

Im Januar 2016 gab es in unmittelbarer Nähe des Flughafens Kabul eine heftige Detonation, bei der über 50 Zivilisten verletzt wurden. Im April 2016 wurden bei einem Anschlag gegen ein Regierungsgebäude in Kabul 80 Menschen getötet und über 340 teilweise schwer verletzt.  

Nach dem Ende der internationalen militärischen Unterstützungsmission ISAF haben die afghanischen Sicherheitskräfte landesweit die Sicherheitsverantwortung übernommen, sehen sich jedoch einer starken Insurgenz gegenüber und haben die Lage nicht überall unter Kontrolle.  

Allen Deutschen vor Ort wird zu größtmöglicher Vorsicht geraten. Von Überlandfahrten wird dringend abgeraten. Wo solche zwingend stattfinden müssen, sollten sie auch in vergleichsweise ruhigeren Landesteilen nur im Konvoi, nach Möglichkeit bewacht und mit professioneller Begleitung durchgeführt werden. Die Sicherheitslage auf der Strecke muss zeitnah zur Fahrt sorgfältig abgeklärt werden. Es wird davor gewarnt, an ungesicherten Orten zu übernachten. 

Weltweiter Sicherheitshinweis
Es wird gebeten, auch den
weltweiten Sicherheitshinweis zu beachten.

Soweit die Website des Auswärtigen Amts, Stand 18.12.2016 (unverändert gültig seit 11.11.2016). Immerhin: Diejenigen, die für die Abschiebung nach Afghanistan plädieren, sind darüber informiert, welcher Gefahrensituation sie die Geflüchteten schicken. Einfach auf der Homepage des Auswärtigen Amtes nachlesen. "Davon wussten wir nichts?" Das gilt nicht!  

 

Dreharbeiten im FLIDUM

15. Dezember 2016. Nach den gestrigen Dreharbeiten eines HR-Fernsehteams im Sprach- und Begegnungszentrum FLIDUM wurde der knapp 2-minütige Beitrag am 14. Dezember um 16.45 Uhr in der Sendung "hessenschau kompakt" und um 19.30 Uhr in der "Hessenschau" ausgestrahlt. Im Mittelpunkt des Beitrags stand das Interview mit einem in Seligenstadt lebenden Flüchtling aus Afghanistan, der abgeschoben werden soll.

Foto: AK Willkommen

Hintergrund der Berichterstattung war die "Sammelabschiebung" von Geflüchteten zurück nach Afghanistan: Flugzeug nach Kabul hebt trotz heftiger Proteste ab
www.hessenschau.de...

  

Lesetipp zur Abschiebung von Afghanen

14. Dezember 2016. Am Abend haben die umstrittenen Sammelabschiebungen nach Afghanistan begonnen. Das Bundesverfassungsgericht stoppte die Abschiebung eines Flüchtlings aus dem Land.
www.zeit.de...

 

Rundbrief zum 3. Advent

11. Dezember 2016. Zurzeit steht die "Flüchtlingsfrage" wieder verstärkt im Fokus der gesellschaftlichen Diskussion – immer wieder gilt es, sich den neuen Herausforderungen zu stellen und neue Wege zu finden. Ich denke, es geht Ihnen ähnlich: Einiges ist schwer zu ertragen und auch in der Sache sehr ärgerlich. Dennoch sollte uns klar sein, dass wir nur durch Nachhaltigkeit, Ausdauer und eine klare Positionierung erfolgreich die uns gestellten Ziele erreichen können. Auf unserer Vollversammlunghaben wir auf die Notwendigkeit von Veränderungen in den einzelnen Arbeitsbereichen hingewiesen. Siehe auch den Bericht weiter unten auf dieser Seite vom 26. November 2016.

Zur aktuellen Situation in Seligenstadt
Zurzeit haben wir 332 Geflüchtete in Seligenstadt. Die städtischen Einrichtungen sind belegt, zum Teil kommen Familienangehörige der Geflüchteten hierher. Auch wenn der Zuzug stagniert, sollten wir uns klar machen: Am 18. November 2014 – dem Tag, an der AK Willkommen ins Leben gerufen wurde, waren 66 Geflüchtete in Seligenstadt – jetzt sind es 332.

Abschiebungen:
Zurzeit sind vor allem die Geflüchteten aus Afghanistan betroffen. 38 % Prozent der Geflüchteten in Seligenstadt kommen aus Afghanistan. In einer Sonderaktion konnten Sie in den letzten Monaten ihre Anhörung wahrnehmen. Jetzt kommen die Bescheide. Die Anerkennungsquote liegt bei unter 50 %. Die freien Wohlfahrtsverbände haben auf die besonderen Probleme hingewiesen. Zum Teil werden "Schnellbescheide" verschickt, die sachlich nicht immer den Vortrag der Geflüchteten berücksichtigen – auch andere wichtige Tatbestände werden zum Teil nicht berücksichtigt. Einige Regionen in Afghanistan werden zu "sicheren Zonen" erklärt, darunter auch Gebiete, die von unseren Regierungsvertretern nur mit außerordentlicher Bewachung, schusssicheren Westen und ohne Vorankündigung besucht werden, aber nach Auffassung von Frau Julia Klöckner durchaus sicher genug sind, um auch Schwangere in diese "sicheren Gebiete" abzuschieben (Offenbach-Post vom 5. Dezember 2016).

Die Geflüchteten haben keine Möglichkeiten, die zum Teil unvollständigen und sachlich falschen Darstellungen durch einen Widerspruch zu korrigieren. Das ist ihnen nur möglich durch Klageerhebung vor Gericht; das wiederum ist ihnen nur möglich, wenn sie über die erforderlichen finanziellen Mittel für das Gericht und den Rechtsanwalt verfügen.

Ich finde es nicht gerecht, den Geflüchteten zwar rechtliche Möglichkeiten einzuräumen, die aber die meisten von ihnen nicht wahrnehmen können, weil ihnen das Geld fehlt. So funktioniert aus meiner Sicht ein Rechtsstaat nicht, wenn hier keine Chancengleichheit hergestellt wird. Mit einen "Nothilfefonds" (natürlich nicht nur für die Afghanen) könnten wir dazu beitragen, zumindest einen Zuschuss für die Kosten der Formalprüfung zu leisten, damit auch den Geflüchteten von einem professionellen Juristen die Chancen und Risiken einer Klage erklärt werden können. Dafür bitte ich Sie um Ihre Unterstützung. Es ist eine Möglichkeit ganz konkreter Hilfestellung.

Wer ich an dem Unterstützungsfonds beteiligen möchte, den bitte ich um eine Spende auf unser Konto mit dem Stichwort "Notfallunterstützung". Eine steuerlich wirksame Spendenquittung schicken wir Ihnen Anfang 2017 für das Jahr 2016 zu.

Das 13. Internationale Café am 17. Dezember bietet  vor Weihnachten nochmals die Gelegenheit zu Begegnungen und zu Verabredungen beispielsweise an den Feiertagen. Das Event-Team freut sich über den Besuch.  

Hinweise:
Wir suchen Helferinnen und Helfer, die sich mit ihren Erfahrungen und Kompetenzen, gerne im handwerklich-technischen Bereich, unterstützend im Sprachunterricht oder bei der Frage der Berufsfindungen eine Mithilfe vorstellen können. Wir suchen Wege, den Geflüchteten die deutsche Arbeitswelt und auch "berufliche Fachsprachen" näher zu bringen. Vor allem aus dem handwerklichen Bereich brauchen wir Fachleute.

Der Fundus hat seine Öffnungszeiten geändert, weitere Infos vermittelt die Homepage unter der Rubrik Termine/Öffnungszeiten.

Ihnen/euch allen wünsche ich eine besinnliche und unaufgeregte Vorweihnachtszeit.

Mit lieben Grüßen
Burkard Müller 

 

Offene Betriebstore am 17. März ´17

7. Dezember 2016.Unter dem Motto „Job to Go“ soll es am Freitag, 17. März 2017in Seligenstadt, Mainhausen und Hainburg einen Tag des offenen Betriebstors für alle an Ausbildung und Arbeit interessierten Schülerinnen, Schüler und Geflüchtete geben. Das haben in einem Treffen am 29. November 2016 Vertreter von ProArbeit des Kreises Offenbach mit den ehrenamtlichen Helfern für Geflüchtete aus den drei Kommunen beschlossen.

Busse sollen die Interessenten im „Hop-on/hop-off“-Transport von Unternehmen zu Unternehmen bringen. In den Firmen wird es Führungen und Informationsgespräche geben. Eingeplant ist die Betriebstour im Zeitraum 14 bis 18 Uhr. Im Anschluss gibt es für die Teilnehmer eine gemeinsame After-Work-Party im Evangelischen Gemeindezentrum in Seligenstadt.

Die Mitarbeiter von ProArbeit des Kreises Offenbach haben damit begonnen, Firmen in Seligenstadt, Mainhausen und Hainburg für die Aktion zu gewinnen. Der Arbeitskreis Willkommen in Seligenstadt hat sich bereit erklärt, die Abschlussparty zu organisieren. Ab Januar 2017 wird intensiv für die Teilnahme an der Veranstaltung geworben.

 

Alltagsheld: Deutscher Bürgerpreis für Burkard Müller

6. Dezember 2016. Eine besondere Auszeichnung wurde Burkard Müller, dem Gründer und Koordinator des Arbeitskreises Willkommen in Seligenstadt, am gestrigen Internationalen Tag des Ehrenamtes zuteil: Müller erhielt den Deutschen Bürgerpreis, 2. Platz in der Kategorie Alltagshelden. Zu dieser Kategorie gehören Privatpersonen, Gruppen, Initiativen, Vereine und Unternehmer, die sich freiwillig in ihrem Lebensumfeld engagieren. An der Feierstunde im Dietzenbacher Kreistagssitzungssaal nahmen neben Burkard Müller auch die SPD-Stadtverordnete Nicole Fuchs und Helfer des AK Willkommen teil.

 

Fotos: AK Willkommen (durch Anklicken sind hochaufgelöste Bilder verfügbar)

In diesem Jahr fokussierte der Deutsche Bürgerpreis den Themenschwerpunkt: „Deutschland 2016 – Integration gemeinsam leben“. In seiner Begrüßungsrede machte Landrat Oliver Quilling deutlich, wie außerordentlich groß das ehrenamtliche Engagement im Kreis Offenbach ist. Walter Metzger, Pressesprecher der Sparkasse Langen-Seligenstadt, listete in seiner Laudatio auf, was Burkard Müller mit Helferinnen und Helfern des AK Willkommen in den zwei Jahren seit Gründung des Arbeitskreises erreicht hat. In alle Aktivitäten werden Geflüchtete im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe nach Möglichkeit einbezogen.

Der Deutsche Bürgerpreis wird seit 2003 vergeben. Dahinter steht die Initiative „für mich. für uns. für alle.“, ein bundesweites Bündnis aus Bundestagsabgeordneten, den Sparkassen, Städten, Landkreisen und Gemeinden. Der Deutsche Bürgerpreis zeichnet Engagierte aus, die sich ehrenamtlich für die Gesellschaft starkmachen. Verliehen wird der Preis auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene. Der Internationale Tag des Ehrenamts möchte gemäß UN-Beschluss von 1985 zur Anerkennung und Förderung ehrenamtlichen Engagements beitragen. Seit 1986 findet er stets am 5. Dezember statt, dieses Jahr zum 30. Mal. 

 

Abschiebungen nach Afghanistan
4. Dezember. "Unter vielen Menschen aus Afghanistan herrscht große Angst vor vermeintlich kurz bevorstehenden (Massen-)Abschiebungen. Diese ist in der Regel so nicht gerechtfertigt", schreibt der Hessische Flüchtlingsratin einer Infomail und verweist auf eine Mitte November aktualisierte Informationsschrift von Welcome to Europezu Abschiebungen nach Afghanistan. Die Informationen sollten an Flüchtlinge aus Afghanistan weitergegeben werden.

Das 4-seitige Dokument informiert über die aktuelle Situation, liegt in mehreren Sprachen vor und ist online abrufbar unter http://w2eu.info/germany.en/articles/germany-deportation-afghanistan.en.html. Als PDF ist die Informationsschrift auch hier hinterlegt:

Against the fear_Deutsch
Against the fear_Englisch
Against the fear_Dari

Am 4. November hat der AK Willkommen auf dieser Seite einen Appell afghanischer, in Seligenstadt lebender Flüchtlinge veröffentlicht (s.u.). Nachzulesen ist er auch in der Dezember-Ausgabe DER SELIGENSTÄDTER, Titelseite und Seite 8

Selbst Politikern ist nicht ganz wohl bei dem Gedanken an Abschiebungen nach Afghanistan: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-11/asyl-afghanistan-abschiebung-innenminister.

Der AK Willkommen wird weiter verfolgen, was mit nach Afghanistan abgeschobenen Menschen geschieht, damit die Verantwortlichen wissen, was sie zu verantworten haben. 

 

"2:0 für ein Willkommen": Fördergelder ab Januar 2017
2. Dezember. Die DFB-Stiftung informiert über ein Unterstützungsprogramm für Fußballaktivitäten mit Flüchtlingen. Bezuschusst werden können vor allem:

  • Bildungs- und Nachhilfeangebote (z. B. spezielle Sprachförderprogramme im Fußball)
  • Begegnungsfeste (z. B. Aktionstage auf den DFB-Minispielfeldern oder in Schulen)
  • Schul-Fußball-AGs für Flüchtlingskinder
  • Qualifizierungsmaßnahmen für Tätigkeiten im Fußball (insbesondere niederschwellige Angebote)
  • Organisation von Ausbildungs-/Praktikums-/Jobbörsen
  • Vernetzungstreffen zum Austausch engagierter Akteure der „Fußballfamilie“

Da in Hessen nur insgesamt bis zu 18 Vereine einen erfolgreichen Antrag stellen können, empfiehlt Sportcoach Matthias Eiles, Anträge zeitnah zu versenden und eine E-Mail an info(at)egidius-braun.de zu senden.

DFB-Infoschreiben

 

Gemeinsam für die Zukunft des Fußballs
1. Dezember. Am vergangenen Montag, 28. November startete das Fußballprojekt "Vorteil". Insgesamt nahmen 10 sehr motivierte und interssierte Geflüchtete aus Seligenstadt und Mainhausen teil. Der Referent des Hessischen Fußball-Verbandes war sehr zufrieden mit dem Auftakt.

Bis zum nächsten Termin am Montag, 5. Dezember 2016, sind noch 2-3 Nachmeldungen möglich. Bei Interesse bitte telefonisch melden bei Sportcoach Matthias Eiles, 0151-16788293, oder eine kurze E-Mail mit der Namensnennung des/der Teilnehmer(s) senden an kontakt(at)ak-willkommen.org.

Das Projekt des Fußballkreises Offenbach ermöglicht eine sprachliche und fachspezifische Basisqualifikation für Geflüchtete, damit sie einen besseren Zugang in die Vereine finden und sich in naher Zukunft durch ein Engagement im Verein aktiv einbringen können – zum Beispiel als Jugendbetreuer/in. Die Kursteilnehmer, die teilweise zur Zeit noch keinem Fußballverein angehören, stehen dann ab Ende Januar 2017 gerne für ehrenamtliche Vereinsarbeit als Jugendbetreuer in interessierten Vereinen zur Verfügung.  Die Sozialstiftung des Hessischen Fußballs übernimmt die Kosten des Lehrgangs, stellt für das Projekt qualifizierte HFV-Lehrreferenten, begleitet den Verein durch Projekt-Paten und unterstützt den Verein bei der Öffentlichkeits- und Pressearbeit. Dazu gibt es für potenzielle Teilnehmer/innen Infoblätter in den Sprachen deutsch, englischund arabisch.

Rahmeninformationen zum Projekt:

  • Insgesamt werden die Teilnehmer an 8 Abenden theoretisch und praktisch geschult. Theorie und Praxisteil dauern jeweils 90 Minuten.
  • Die Teilnehmerzahl ist auf 18 Teilnehmer begrenzt. Jeder Fußballverein aus Seligenstadt (5), Hainburg (2) oder Mainhausen (2) erhält die Gelegenheit, bis zu 2 Teilnehmer zu melden.
  • Zeitfenster je Termin: 18 bis 21 Uhr (bitte in geeigneter Sportkleidung)
  • Termine, jeweils montags:
    2016: 5.12., 12.12., 19.12.
    2017 : 9.1., 16.1., 23.1., 30.1.  
  • Veranstaltungsort: Vereinsheim und Sportplatz der TuS 08 Klein-Welzheim
  • Kontaktperson:  Matthias Eiles  

 

Sprachhelfertreffen: Planungen und Perspektiven
18. November. Auf dem Sprachhelfertreffen am 16. November wurde als Starttermin für das Trimester 1/2017 der 5. Dezember 2016 festgelegt. Nach einem Erfahrungsaustausch konzipierten die Helferinnen und Helfer die neuen Kurse und nahmen entsprechende Versetzungen vor.

In einzelnen Kursen ließ sich durch die Neuorganisation eine Erhöhung der Unterrichtsstunden erreichen, zum Teil sogar eine Verdopplung auf 8 Stunden pro Woche. Die Schüler erhalten zum Abschluss des Trimesters ihre Zertifikate und die neuen Kurskarten. Der neue Kursplan wird unter der Rubrik "Deutschunterricht" rechtzeitig vor Kursbeginn auf der Homepage abrufbar sein.

Insgesamt zeigten sich die Sprachhelfer mit den Lernergebnissen aus dem laufenden Trimester zufrieden. Die ersten Schüler können jetzt am Goethe-Institut ihre Zertifikate für die Level A1, A2 und B1 erwerben. Erfreut zeigten sich die Sprachhelfer über FLIDUM: Es bietet sehr gute Lernbedingungen, erhöht den unterkulturellen Kontakt und baut damit auch Spannungen ab, die sich aus dem Zusammenleben der unterschiedlichen Kulturen und Religionen auf engem Raum in den Unterkünften ergeben. Das fördert auch die Sicherheit und das Miteinander im täglichen Zusammenleben.

Einschränkungen bei der Teilnahme am Sprachunterricht und bzgl. der Motivation ergeben sich durch die Belastungen zunehmender Abschiebungen, vor allem von geflüchteten Menschen aus Afghanistan. Der AK Willkommen in Seligenstadt rechnet mit zusätzlichen Aufgaben durch den Zuzug von Menschen im Rahmen von Familienzusammenführungen, insbesondere aus Syrien.

In der Konzeptphase befindet sich die Erweiterung des Sprachunterrichts in Richtung Berufsfindung und -sprache. Hier ist die Unterstützung aus dem Kreis der Handwerker, aus Betrieben und durch weitere Fachkräfte der Sprachhelfergruppe dringend erforderlich: Gerne nehmen wir Ihre Hilfestellung und Mitarbeit an!

Aus den örtlichen Betrieben erhält der AK Willkommen viele Anfragen und Angebote bzgl. Arbeits- und Ausbildungsplätzen. Gerade in unserer Region zeigt sich, dass großer Bedarf besteht. Zugangsvoraussetzungen dafür sind die entsprechenden Sprachkenntnisse. Hier ist die Zusammenarbeit mit der freien Wirtschaft, dem Handwerk und den Gewerbebetrieben, aber auch mit der Wirtschaftsförderung zu intensivieren. Erfolgversprechende Ansätze stimmen optimistisch, diese Aufgabe erfolgreich umsetzen zu können. 

 

Lesetipp: Handbuch für Journalisten zum Islam
8. November. Der Mediendienst Integration, ein Projekt des Rat für Migration e. V., gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, hat ein Handbuch zum Thema Islam herausgegeben. Für alle, die etwas mehr wissen wollen, hier der Link:

 

Wie verbreitet Vorurteile und negative Einstellungen gegenüber Muslimen und „dem Islam“ in der Bevölkerung sind und dass sie zunehmen, ist wiederholt Gegenstand von Untersuchungen. So sehen einer 2015 veröfftentlich ten Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge fast 60 Prozent der Befragten den Islam als Bedrohung an.

Im Zuge der im Herbst 2010 einsetzenden Sarrazin-Debatte wurden islamfeind liche Ressentiments zunehmend „salonfähig“ und beherrschten über Monate hinweg die medialen und gesellschaftlichen Debatten. Mit dem Zulauf zu den Demonstrationen der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“, kurz Pegida, seit Ende 2014 und den Wahlerfolgen der „Alternative für Deutschland“ wurden islamfeindliche Töne dann zunehmend auf die Straße und an die Wahlurnen getragen.

Vielleicht schadet es nicht, sich bewusst zu machen, dass die negative Wahrneh mung des Islam und der Gedanke, dieser würde „das Abendland bedrohen“, keineswegs neu sind. Sie reichen Jahrhunderte zurück und sind tief in der euro päischen und deutschen Ideengeschichte verwurzelt.
 

Appell der nach Seligenstadt Geflüchteten aus Afghanistan
4. November. Zurzeit warten viele der 103 nach Seligenstadt geflüchteten Afghanen auf ihren Bescheid, ob sie hier bleiben können oder nach Afghanistan abgeschoben werden.  Heute hat ein Familienvater aus Afghanistan erfahren, dass sein Bruder an den Folgen eines Terroranschlages gestorben ist– eine Woche lang hat er um sein Leben gekämpft, nachdem ihm durch eine Bombe beide Beine und ein Arm abgerissen wurden. Die Eltern kamen vor zwei Jahren bei einem Bombenanschlag ums Leben.

Die Angst geht um, wieder zurück zu müssen, zurück in die Bedrohung, der die Menschen entflohen sind. Sie haben niedergeschrieben, was in ihnen vorgeht, was Sie empfinden, wovor Sie Angst haben. Wir geben den Text weiter, möge jeder sich seine Gedanken dazu machen. Die Autorinnen und Autoren sind uns bekannt.

Bald kommt Weihnachten und danach ist Silvester. Die Deutschen sind glücklich und kaufen sich neue Sachen, Süßigkeiten für die Kinder ... Die Kinder freuen sich auf das Weihnachtsfest und die Geschenke, die sie von ihren Eltern und Verwandten bekommen werden. Es ist schön zu sehen, dass viele Menschen sich über ein kulturelles und religiöses Fest freuen.Die Gläubigen gehen in die Kirchen und singen. Sie singen Lieder über Gerechtigkeit, über Frieden und Freude ...

Wir freuen uns auch mit euch, dass ihr glücklich seid.
Aber was machen wir Flüchtlinge aus Afghanistan in dieser Zeit?

Worauf bereiten wir uns vor?
Wie glücklich sind wir? 
Warum sind wir nach Deutschland geflohen?
W as haben wir uns gewünscht?

Wir leben in Flüchtlingsunterkünften mit Flüchtlingen aus dem Irak, aus Syrien, dem Iran und aus Afrika! Wir sind alle vor Terror, Krieg und vielen Arten von Gewalt geflohen. Viele Flüchtlinge aus anderen Ländern können ihre Zukunft planen.  Sie haben ihr Ziel erreicht.   Auch wir möchten – wie viele Flüchtlinge aus anderen Ländern – unsere Zukunft planen. Auch wir möchten endlich ankommen und unser Ziel erreichen und uns integrieren dürfen. Viele Flüchtlinge aus Afghanistan müssen sich darauf vorbereiten, weiter zu fliehen. Sie denken weiter an Flucht, weil sie mit ihren Geschichten, Wünschen und ihren Ängsten in Deutschland keinen Schutz finden.   

Wir sind traurig, weil das Leben von uns, unseren Kindern und Familien auf dem Spiel steht. Wir denken an das schreckliche Leben, das in Afghanistan auf uns wartet. Wir fühlen uns allein.  Überall herrscht große Angst vor Abschiebung.  

Die deutsche Regierung plant, die Afghanen zurück nach Afghanistan zu schicken. In ein Land, in dem jeden Tag Bomben explodieren und Menschen erschossen werden.  Wir sind vor Terror und Gewalt geflohen und hatten gehofft, dass wir auf ein Leben in Frieden und Freiheit bauen können, aber jetzt haben viele ihre Hoffnung verloren.  

Ich bitte alle Lehrerinnen/Lehrer und Schülerinnen und Schüler, die Kirchgemeinde und alle Menschen, die hilfsbereit sind und alle anderen, die an Menschlichkeit glauben: Lassen Sie uns nicht allein! Unterstützen Sie uns, damit wir gegen Abschiebung und Ungerechtigkeit kämpfen können. Wir sind auch ein Teil der großen Familie der Menschen.  

Ja, wir kommen aus Afghanistan. 
Wir sind Muslime.
Wir haben eine andere Kultur. 
Wir haben eine andere Hautfarbe.

Aber trotz aller Unterschiedlichkeit sind wir Menschen wie ihr. Wir haben auch rotes Blut.  Wir haben auch eine Seele.  Wir sind enttäuscht, wenn etwas schief geht, genau wie ihr. Wir freuen uns genau wie ihr, wenn etwas Gutes passiert.

Deshalb wünschen wir uns auch Weihnachtsgeschenke, und am meisten wünschen wir eure Solidarität mit uns gegen Abschiebung. Wir sind zu euch gekommen. Für diesen Weg haben wir alles verloren.  Lasst uns nicht allein.  Wir sind miteinander verbunden!  Ladet uns ein in eure Schulen und in eure Gruppen und Kreise. Teilt mit uns unsere Geschichten und unsere Befürchtungen.

 

Bürokratische Grenzen
3. November. Die Offenbach-Post berichtete am 1. November von den Schwierigkeiten einer Seligenstädter Familie, die gern eine syrische Familie unterstützen möchte, dabei aber an bürokratische Grenzen stößt:
www.op-online.de...

Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass Integration gelingen kann bürokratische Hürden und die Gesetzeslage verzögern allerdings einen entscheidenden Schritt: den Umzug in eine Wohnung. Eine schwierige Situation in einem bürokratischen Karussell:

  • Anerkennung: ausstehend
  • Bleibeaussicht: hoch (Herkunft Syrien)
  • Job: vorhanden
  • Wohnung: verfügbar 

Es kommt selten vor, dass ein Vermieter einer Flüchtlingsfamilie genau zu dem Zeitpunkt eine Wohnung anbietet, an dem sie die Anerkennung erhält. Auch ist verständlich, dass Vermieter ihre Wohnungen nicht auf unbestimmte Zeit leer stehen lassen können.D ie Familie wird damit vor das große Problem gestellt, dass sie zum Zeitpunkt der Anerkennung keine Wohnung hat. Aus der Gemeinschaftsunterkunft muss sie dann allerdings ausziehen. Eine Zwickmühle.

Was braucht es also? Eine flexible Übergangsregelung. Der Gesetzgeber ist aufgefordert, Lösungsmöglichkeiten für solch aussichtsreiche und positive Situationen zu schaffen.

Besondere Situation
Nachdem Familie Sonntag durch das Integrationsbüro eine ablehnende Mitteilung der Stadt erhalten hatte, wandten sich die syrische Familie und Herr Sonntag an den AK Willkommen. Der Arbeitskreis übernahm das Anliegen der syrischen Familie und der Familie Sonntag und legte der Stadt den Sachverhalt mit der Bitte um Prüfung und Unterstützung der Familie Sonntag nochmals vor.

Die besondere Situation der Familie ein Arbeitsplatz für den Mann, die sehr schlechte Gesundheit der Frau ist allen Beteiligten sehr bewusst. Die Stadt bot daher an zu prüfen, ob die Unterbringung in einer anderen, kleineren Gemeinschaftsunterkunft (GU) möglich wäre. In Kürze wird eine weitere GU ein Dreifamilienhaus in Betrieb genommen, in die die Familie ggf. umziehen kann. Das ist nun einige Wochen her und ein Umzug war bisher offensichtlich nicht möglich.

Flüchtlingshelfer brauchen einen langen Atem. Der AK Willkommen dankt der Familie Sonntag für ihren vorbildlichen Einsatz. Wir brauchen in Seligenstadt solche Bürgerinnen und Bürger, die sich engagieren und über den Tag hinaus denken. Nur so ist Integration letztendlich gestaltbar. Durch den Einsatz von Familie Sonntag wäre es möglich gewesen, einen syrischen Kriegsflüchtling und seine Familie mit Arbeit und Wohnung zu versorgen. Damit werden die Sozialkassen entlastet und mittelfristig Einnahmen generiert, ganz zu schweigen von der Entschärfung sozialer Konfliktfelder. Engagierte Menschen sollten sich von der Bürokratie nicht entmutigen lassen. 

 

Spendenangebote: Antwort auf einen Leserbrief
29. Oktober. In einem Schreiben an die Offenbach-Post bekundete Leser Thomas Schmidt seine Enttäuschung über die langen Reaktionszeiten auf gemachte Spendenangebote an verschiedene Hilfseinrichtungen und die Stadt Seligenstadt. Sein Leserbrief erschien in der Offenbach-Post am 24.10.2016 unter der Überschrift "Nicht mal eine Absage". Heute hat die Offenbach-Post das – leicht gekürzte –  Antwortschreiben des AK Willkommen veröffentlicht. Hier unser Leserbrief in voller Länge:  

In einem freundlichen Gespräch mit Herrn Thomas Schmidt konnte geklärt werden: Sein Spendenangebot richtete Herr Schmidt zuletzt an das Integrationsbüro der Stadt Seligenstadt, mit der Fragestellung: Ist das für die Flüchtlingshilfe oder eine soziale Einrichtung interessant? Das Integrationsbüro der Stadt Seligenstadt leitete die Anfrage 4 Tage später an das Fundus-Team des AK Willkommen in Seligenstadt weiter; unser Team beantwortete die Anfrage dann innerhalb von 3 Stunden und schickte eine entsprechende Mail sowohl an Herrn Schmidt als auch an das Integrationsbüro der Stadt Seligenstadt.

Hintergrund seiner Verärgerung ist Herrn Schmidt zufolge nicht unsere Form der Bearbeitung; vielmehr höre er zwar immer wieder Lob für seine Spendenbereitschaft, dabei bliebe es dann aber auch schon. Weitere Auskünfte erhalte er nicht. Seine Verärgerung ist aus unserer Sicht nachvollziehbar.

Wir möchten die Anregungen von Herrn Schmidt zum Anlass nehmen, Seligenstädter Bürgerinnen und Bürger auf die Möglichkeiten der Spenden hinzuweisen, wenn diese Spenden für die Flüchtlingshilfe des AK Willkommen in Seligenstadt gedacht sind.

Der „AK Willkommen in Seligenstadt – Ehrenamtliche Bürgerinnen und Bürger helfen Flüchtlingen“ ist weder eine Einrichtung des Integrationsbüros der Stadt noch eine Einrichtung der Caritas Seligenstadt. Vielmehr ist er ein Zusammenschluss von Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Seligenstadt und Umgebung. Spendenangebote an die Stadt, die Caritas oder andere Organisationen sind Spendenangebote an diese Organisationen. Ob diese Angebote von dort an uns weitergegeben werden und wenn ja, zu welchem Zeitpunkt – das ist nicht unsere Entscheidung.

Ihre Spendenangebote an uns erbitten wir unter der E-Mail Adresse fundus(at)ak-willkommen(dot)org . Die Mail landet dann bei dem ausschließlich ehrenamtlichen Fundus-Team. Dort sind bereits mehr als 1.500 Spendenangebote aus Seligenstadt eingegangen. Auch während der Öffnungszeiten des Fundus´ in Froschhausen, freitags in der Zeit von 18 bis 19 Uhr, können Sachspenden direkt abgegeben werden. Auf unserer Homepage www.ak-willkommen.org ist unter der Rubrik Helfen eine Liste hinterlegt: Sie benennt alle Gegenstände, die benötigt werden. Wir haben es uns zu Aufgabe gemacht, eine Grundversorgung der Geflüchteten zu organisieren  und keine allgemeine Versorgung; nach dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe unterstützen wir den Weg in die Eigenversorgung der Geflüchteten.

Hinweise für Möbelspenden: Die Geflüchteten werden von der Stadt Seligenstadt und dem Kreis Offenbach möbliert untergebracht. Für zusätzliche Möbel ist in den kleinen Zimmern, die mit mehreren Personen belegt sind, in der Regel kein Platz. Zudem muss von uns auch stets erst die Genehmigung der Betreiber eingeholt werden.

Wird der nach Seligenstadt Geflüchtete anerkannt, so kann er aus der Gemeinschaftsunterkunft ausziehen, wenn er eine Wohnung findet. Dann sind auch Möbelspenden interessant. Allerdings haben wir bei der Organisation folgende Probleme: Wir wissen im Vorfeld nicht, wann für wen eine Anerkennung erfolgt und ob eine Wohnung gefunden wird. Hinzu kommt, dass wir auf die Ansprache durch den Flüchtling angewiesen sind: Er muss uns informieren, ob er Hilfe benötigt, da das Integrationsbüro der Stadt oder die Caritas Flüchtlingshilfe uns keine Mitteilung über eine solche Statusänderung macht. Daher können wir nur solche Angebote in unseren Möbel-„Katalog“ aufnehmen, wenn der Spender die Möbel lagern kann – wir verfügen über keine eigene Lagerkapazität. Aus diesem Grund können wir viele sinnvolle Möbelspenden nicht annehmen. Dafür bitten wir um Verständnis.

Dennoch ermuntern wir alle, in ihrer Spendenbereitschaft nicht nachzulassen. Wir möchten alles tun, um den Spendenfluss – soweit er in unserem Organisationsbereich liegt – zufriedenstellend zu regeln. Denken Sie aber bitte auch daran, dass wir das alles ehrenamtlich machen, dass wir keine Behörde und auch kein freier Wohlfahrtsverband sind, der in der Regel mit angestelltem und bezahltem Personal arbeitet.

Auch wenn wir vieles möglich machen und über viele sehr engagierte ehrenamtliche Helferinnen und Helfer verfügen, klappt bei uns auch nicht immer alles. Leider wird allzu oft nur auf das gezeigt, was nicht klappt. Vieles von dem, was erfreulich ist und zum Weitermachen motiviert, wird dagegen oft kaum erwähnt. Aber niemand ist ohne Fehler. Wir alle sind Menschen.

Burkard Müller
AK Willkommen in Seligenstadt – Ehrenamtliche helfen Flüchtlingen
 

 

11. Begegnungscafé & Klavierkonzert
27. Oktober. Viele Besucher und eine tolle Stimmung charakterisierten das 11. Internationale Begegnungscafé des AK Willkommen in Seligenstadt am 22. Oktober im Evangelischen Gemeindezentrum. Mehr als 200 Gäste erlebten ein abwechslungsreiches Programm.

Fotos: AK Willkommen (weitere Bilder: www.facebook.com...)

Eine eritreische Kaffee-Zeremonie, Akrobaten aus Costa Rica, das Konzert des Pianisten Aeham Ahmad mit spontanem syrischem Chor und Improvisationen von Rebecca Grandios – der Nachmittag sprach alle Sinne an. Ein wunderbares emotionales Erlebnis. Der AK Willkommen bedankt sich bei allen, die mitgeholfen und mitgewirkt haben.

 

Was unterscheidet "Islamfeindlichkeit" von "Islamophobie"?
24. Oktober. Islamophobie, Islamfeindlichkeit und antimuslimischer Rassismus – diese Begriffe beschreiben negative Einstellungen gegenüber Islam und Muslimen.

  • Was aber unterscheidet die Begriffe voneinander?
  • Wie sind sie entstanden und was drücken sie genau aus?
  • Wo liegt die Grenze zur Islamkritik?

Der MEDIENDIENST, herausgegeben vom gemeinnützigen Rat für Migration e.V., hat eine Übersicht erstellt und erklärt die wichtigsten Hintergründe der Begriffsdiskussion:
www.mediendienst-integration.de...

 

Der Stand der Dinge: Rückblick und Resümee
18. Oktober. Seit seiner Gründung im November 2014 ist es ein Anliegen des Arbeitskreises Willkommen in Seligenstadt, die Grundversorgung der nach Seligenstadt gekommenen Geflüchteten mit Kleidung und Mobiliar durch den Fundus sicherzustellen. Das zweite wichtige Anliegen ist, durch Sprachunterricht alle in Seligenstadt angekommenen geflüchteten Menschen zur Beteiligung am gesellschaftlichen Leben zu befähigen, damit sie auch ihren Beitrag für ein gutes Zusammenleben in Seligenstadt leisten können.

In einer gemeinsamen Runde mit der damaligen Bürgermeisterin Dagmar B. Nonn-Adams, mit Vertretern der Pro Arbeit des Kreises Offenbach, der Kreishandwerkerschaft Stadt und Kreis Offenbach und dem AK Willkommen in Seligenstadt wurde das Projekt Sprache – Arbeit und Wohnen geboren. Die FAZ berichtete darüber. Hier eine kurze Zusammenfassung, wie sich dieses Projekt entwickelt hat...

Die Ausgangslage im Frühjahr 2015:
Unabhängig davon, aus welchem Herkunftsland sie kamen, erhielten die Geflüchteten außer einer 80-stündigen Unterrichtseinheit einem niederschwelligen Orientierungshilfekurs der VHS keinen Sprachunterricht. Lediglich die Kinder und Jugendlichen im schulpflichtigen Alter hatten Zugang zum Schulsystem.

Der Resolution des AK Willkommen in Seligenstadt, auch den Jugendlichen bis zum 21. Lebensjahr den Zugang zum Schulsystem zu ermöglichen, stimmte die Stadtverordnetenversammlung zwar zu; CDU & Grüne Landesregierung lehnten das jedoch ab. Monate später zeigte sie dann doch Einsicht und erfüllte die Forderungen zumindest teilweise. Dabei wird in Sonntagsreden immer wieder betont, dass Spracherwerb der Schlüssel zur Integration ist.

Für den AK Willkommen war immer schon klar, dass eine Unterteilung der Geflüchteten in Gruppen mit guter und schlechter Bleibeperspektive und die unterschiedliche Förderung dieser Gruppen Verwerfungen in vielfacher Hinsicht bringt. Auch Qualifikationen und Kompetenzen, die auf dem Arbeitsmarkt dringend gebraucht werden, bleiben so ungenutzt. Andererseits werden dann mit öffentlichen Geldern mühsam Arbeitskräfte im Ausland angeworben (z. B. in medizinischen Berufen).

Patenschaft für Facharzt Dr. Mohammad
Das Engagement und die umfangreichen Aktivitäten des AK Willkommen zeigen bereits positive Ergebnisse. Über ein Beispiel berichteten bereits mehrere medizinische Fachmedien, so auch das Hessische Ärzteblatt in der Ausgabe Oktober 2016 (e-Paper-Seite 39): Dr. Zaher Mohammad (54) ist HNO-Facharzt; mit seiner Familie flüchtete er aus der Bürgerkriegshochburg Luhansk in der Ost-Ukraine. Er kam vor zwei Jahren in Seligenstadt an. Der Arbeitskreis-Helfer Dr. Christian Klepzig hat mit seiner Frau die Patenschaft für die Familie übernommen. Die Ehefrau von Dr. Mohammad ist ausgebildete Krankenschwester, auch ein in Deutschland gesuchter „Mangelberuf“.

Die Eingliederung des Ehepaars Mohammad in den deutschen Arbeitsmarkt gestaltet sich unglaublich zäh und setzt sowohl bei den Geflüchteten als auch bei ihren Paten die Geduld und das Durchhaltevermögen von Langstreckenläufern voraus. „In Deutschland hat sich seit dem Hauptmann von Köpenickim Kaiserreich kaum etwas geändert: Ohne Arbeitsgenehmigung keine Aufenthaltserlaubnis und ohne Aufenthaltserlaubnis keine Arbeitsgenehmigung“, beschreibt Flüchtlingshelfer Klepzig die Situation. Er habe gelernt, dass man hier nur mit Beharrlichkeit und einer großen Portion „Nervensägen-Mentalität“ Abläufe sinnvoll beeinflussen könne.

Mut mache aber immer wieder, dass insbesondere bei der Bundesagentur für Arbeit in Dietzenbach Menschen arbeiten, die nicht zuerst die Probleme und Schwierigkeiten sehen, sondern lösungsorientiert arbeiten. „Ohne diese Unterstützung hätte wahrscheinlich sogar ich resigniert“, fasst Klepzig seine Erfahrungen zusammen.

Die Bilanz nach 15 Monaten ist sehr erfreulich. Familienvater Mohammad besucht einen Kurs in Frankfurt, nach dessen Abschluss er die so genannte „Gleichwertigkeitsprüfung“ für Ärzte ablegen und die deutsche Approbation erhalten kann. Die für diesen Kurs erforderlichen Deutschkenntnisse hat Dr. Mohammad in einem ersten Deutschkurs erworben, den ihm der AK Willkommen vermittelt hat, sowie in einem Kurs am Goethe-Institut in Frankfurt, der über private Spender finanziert wurde. „Mein Kollege ist ein Sprachgenie. Er beherrscht mit Deutsch jetzt die fünfte Fremdsprache sicher“, sagt Christian Klepzig bewundernd über seinen ärztlichen Kollegen, der ihm längst ein Freund geworden ist.

Auch für die Kinder von Dr. Mohammad wendet sich nach und nach alles in Richtung Integration: Tochter Fatima (24) bereitet sich im Rahmen des Projektes „Wirtschaft integriert“ durch ein Praktikum auf ihre Ausbildung zur zahnmedizinischen Fachangestellten vor. Sohn Arsalan (18) orientiert sich im gleichen Projekt in Richtung Berufsausbildung.

Harte Geduldsprobe
Nur Frau Mohammad sitzt noch zwischen allen Stühlen. „Bei ihr ist am deutlichsten die schlechte Strukturierung der Abläufe zu sehen. Die Familie wartet jetzt seit über zwei Jahren auf eine Entscheidung im Asylverfahren. Frau Mohammad würde sehr gerne arbeiten, bekommt aber keinen Deutsch-Grundkurs. Die Bundesagentur für Arbeit kann jedoch erst Kurse zum Einstieg ins Berufsleben fördern, wenn ein gewisses Sprachniveau gegeben ist. Hier beißt sich doch die Katze in den Schwanz“, ärgert sich Helfer Klepzig. Dazu würde er mit den politisch Verantwortlichen gern einmal Klartext reden.

Ein weiteres wichtiges Anliegen ist ihm das bürgerliche Engagement. Nachdrücklich appelliert Klepzig „nicht nur an Ärztinnen und Ärzte “, sich im Rahmen von „Patenschaften“ mehr für Flüchtlinge zu engagieren. „Eine Million Flüchtlinge sollten doch wohl eine Million Paten finden können. “Jetzt sei jeder gefragt, etwas für Integration zu leisten und nicht immer nur darüber zu klagen, was „der Staat “wieder nicht oder falsch organisiere. „Integration wird nur ü ̈ber solche 1:1-Beziehungen gelingen, in denen man den Menschen nicht nur bei Schwierigkeiten hilft, sondern auch Kultur, Sitten und Regeln vermitteln kann. Das gibt Perspektive und ist der sicherste Hebel zur Prävention von Radikalismus auf allen Seiten. “

Das bestätigt auch Zaher Mohammad, der bis zum Start des Vorbereitungskurses in Frankfurt parallel zu seinen Deutschkursen einmal wöchentlich in der Offenbacher Praxis von Dr. Klepzig hospitiert hat: „Es war eine wichtige Zeit, in der ich viel über die ärztliche Tätigkeit und die Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten in Deutschland gelernt habe. “ 
 

Lesetipp: "Merkel war es wirklich nicht"
15. Oktober. Die Kanzlerin habe im vergangenen Jahr Hunderttausende Menschen zur Flucht motiviert, sagen Kritiker. Alle von uns ermittelten Daten sprechen dagegen....| ZEIT ONLINE
http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-10/fluechtlingspolitik-fluechtlinge-angela-merkel-balkanroute-offene-grenze  

 

"Die Flüchtlinge sind ein vorgeschobener Grund"
9. Oktober.Der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, enthüllt Manipulationen und wirft der Bundesregierung vor, unnötige Stimmungsmache gegen Migranten zu betreiben:
www.focus.de... 
 

Familie Dako: Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis
8. Oktober. Mehrfach hat der AK Willkommen über die drohende Abschiebung einer aus Albanien geflüchteten Roma-Familie berichtet (letzter Bericht dazu am 19. September auf dieser Seite). Die Familie hat nun eine 3-monatige Verlängerung ihrer Aufenthaltserlaubnis erhalten. Endgültig über die Abschiebung entscheiden wird dann die Härtefallkommission voraussichtlich im Januar.

Der AK Willkommen ist sehr erleichtert, dass Elvis und Manuela Dako mit ihren drei Kindern zumindest über die Wintermonate gesichert hier bleiben können. Erfreulich ist auch die zwischenzeitlich eingegangene Zusage einer Arbeitsstelle für Elvis Dako. Fleiß, Engagement und Integrationsbereitschaft von Menschen, die in ihrem Herkunftsland nichts als Armut und Repressalien zu erwarten haben, sollten bei einer Entscheidung über eine Abschiebung Berücksichtigung finden.

 

Online-Publikation: Flüchtlinge und Asylsuchende in Kommunen
7. Oktober. Einen Wegweiser für Kommunen zu Fragen, Daten, Fakten und Zahlen sowie einer umfassenden Linksammlung hat das Deutsche Institut für Urbanistik herausgegeben: 
http://difu.de...  

 

Hausaufgabenhilfe: Verstärkung gesucht
29. September. Für die Hausaufgaben-Hilfe der Flüchtlingskinder an der Emma-Schule sucht der AK Willkommen noch Unterstützung. Seit Januar 2015 fördert das Team der ehrenamtlichen Sprachhelfer des AK Willkommen die geflüchteten Kinder in der Emma-Schule durch eine Hausaufgaben-Hilfe. Insgesamt sind zur Zeit 13 Kinder an der Emma-Schule.

Die Kinder werden unter der Woche nachmittags in der Zeit von 14 bis 15 Uhr unterrichtet. Die Hausaufgaben-Hilfe findet in der Emma-Schule in Seligenstadt statt. Die Hilfestellung erfordert zum Teil auch eine Einzelunterstützung der Kinder. Wünschenswert und sinnvoll wäre, die Hausaufgaben-Hilfe zu erweitern.

Das Team braucht dringend Verstärkung. Wer kann und möchte mithelfen? Auch Senioren und Seniorinnen haben bereits schöne Erfolge im Team erreicht. Schnuppern ist möglich und eine Einweisung ist  selbstverständlich gewährleistet. Interessierte melden sich am besten per Mail an flidum(at)ak-willkommen(dot)org. Vielen Dank!
 

100 Tage: Beeindruckende Bilanz
27. September. Auf gut drei Monate FLIDUM blickt der Arbeitskreis (AK) „Willkommen in Seligenstadt“ in eigenen Räumlichkeiten an der Kolpingstraße zurück...
www.op-online.de...

 

Lesetipps: Hotline für besorgte Bürger
27. September. Ein 22-jähriger Student hatte eine Idee, die er auch in die Tat umsetzt: http://interkulturell-leben.de/hotline-fuer-besorgte-buerger/. ZEIT Campus und SPIEGEL Online berichten darüber:

Ali Can kam mit zwei Jahren nach Deutschland, heute telefoniert er mit AfD-Wählern, um ihnen die Sorge vor Flüchtlingen zu nehmen. Und kommt selbst manchmal ins Grübeln...
www.zeit.de/campus...
Manche Deutsche fürchten Flüchtlinge. Um ihnen die Angst zu nehmen, betreibt Ali Can eine Hotline für "besorgte Bürger". Hier erzählt er, was er sich dabei denkt - und welche Anfragen bei ihm eingehen.
www.spiegel.de...

 

"FLIDUM leistet unverzichtbaren Beitrag ..."
14. September 2016. Der AK Willkommen freut sich über die gestrige Pressemeldung der Seligenstädter FDP und das damit verbundene Lob:
http://seligenstadt.fdp-hessen.de...

 

Infoflyer des AK Willkommen
13. September 2016. Rechtzeitig zum Tag der offenen Tür am 17. September hat der Arbeitskreis Willkommen in Seligenstadt einen Flyer aufgelegt, der über Entstehungsgeschichte, Ziele und Aktivitäten des AK Willkommen informiert: 

 
Zum Vergrößern auf die Bilder klicken

Der Flyer wird zusammen mit einer Einladung zum Tag der offenen Tür von Flüchtlingen und Helfern an alle Haushalte in Seligenstadt, Froschhausen und Klein-Welzheim verteilt.

 

Ausgezeichnet
4. September 2016. Der AK Willkommen in Seligenstadt gehört zu den Preisträgern der Initiative "HelferHerzen – der dm-Preis für Engagement": Unter den insgesamt 49 Anmeldungen aus der Region Hessischer Untermain wählte die Jury den AK Willkommen als einen von vier Preisträgern aus. Der Jury gehörte auch Peter Osterwold an, Sänger der Band Rodgau Monotones, außerdem Landrat Oliver Quilling.

Neben der eigens für die Initiative entworfenen HelferHerzen-Skulptur erhält der AK Willkommen eine Zuwendung von 1.000 Euro. Bundesweit verzeichnete die im Jahr 2014 gestartete Initiative HelferHerzen in diesem Jahr rund 9.700 Anmeldungen in 127 Regionen.

Der AK Willkommen freut sich über diese Auszeichnung und die damit verbundene Unterstützung. Im September und Oktober werden die regionalen HelferHerzen-Preisträger in den dm-Märkten der verschiedenen Regionen ausgezeichnet.
Pressemeldung Preisträger Hessischer Untermain

 

Newsletter der Hessischen Landesregierung
31. August 2016. Der aktuelle Newsletterder Landesregierung verweist auf das Informationspaket des Kultusministeriums für geflüchtete Schüler und ehrenamtliche Helfer, außerdem auf ein Video zur Erklärung des hessischen Schulsystems sowie den Leitfaden "Ehrenamtliches Engagement an Schulen mit Best-Practice-Beispielen – auch die Emma-Schule mit dem AK Willkommen in Seligenstadt und Initiator Burkard Müller sind dort aufgeführt:
https://kultusministerium.hessen.de /sites/default/files/media/emma-schule_seligenstadt.pdf    

 

 

 

Arbeitsplatz könnte Familie retten
27. August 2016. Mehrmals haben wir und die Offenbach-Postüber das Schicksal der Roma-Familie Dako berichtet. Noch ist sie in Deutschland, aber die Belastung und Ängste vor der drohenden Abschiebung sind noch stärker geworden.

Gerade wegen der drei Kinder macht sich die Familie die größten Sorgen. Sie wollen ihre Töchter – Emmy, die nun fünf Monate alt ist; Paula, vier Jahre, und Christina, die sich auf die dritte Klasse freut – vor dem Straßenleben bewahren. Wie schwierig die Situation in Albanien für Roma-Familien ist, zeigt die unten angehängte E-Mail des Betreuers einer Wohnwagensiedlung für Roma. Zwei Babys mussten in dieser Siedlung schon sterben...

In Kürze tagt der Petitionsausschuss und wird über die eingereichte Petition entscheiden. Wenn dann eine Ablehnung erfolgt, gibt es als letzte Chance die Härtefallkommission. Ein wichtiges Kriterium dabei ist neben der Bedrohung im Herkunftsland die Situation der Familie in Deutschland. Entscheidend ist,  ob die Familie in der Lage sein wird, sich unabhängig von Sozialleistungen zu machen. Die Familie ist sehr gut integriert;  Elvis, der Vater, arbeitet ehrenamtlich für die kath. Kirche in Froschhausen und hat sich dabei sehr bewährt. Er hält das Außengelände der KiTa und des Kolbe-Hauses sauber, reinigt Bürgersteige und erledigt alle anfallenden Gartenarbeiten. Der Hausmeister der KiTa ist begeistert, Elvis Dako an seiner Seite zu haben. Leider kann die Kirche haushaltsrechtlich keinen versicherungspflichtigen Arbeitsplatz anbieten.

Außerdem arbeitet Elvis Dako ehrenamtlich im Fundus des AK Willkommen mit, eine der Anlaufstellen für Flüchtlinge. Würde er für alle seine Tätigkeit einen finanziellen Ausgleich erhalten, wäre die Familie vermutlich heute schon finanziell unabhängig.

Nun unsere Bitte: Wenn Sie jemanden kennen oder selbst  einen Arbeitsplatz für Elvis Dako haben, dann melden Sie sich bitte bei uns. Elvis ist gerne bereit, vorab ein Praktikum zu machen.

Wir haben von Mitbürgern mittlerweile fast 500 Unterschriften gesammelt von Menschen, die das Schicksal der Familie berührt. Die Hoffnung auf eine Arbeit und damit ein unabhängiges und menschenwürdiges Leben haben wir und die Familie noch nicht aufgegeben.

Hier die E-Mail des Betreuers einer Wohnwagensiedlung für Roma in Tirana. Wie er schildert, ist das Leben dort für diese Volksgruppe sehr prekär – zudem gibt es dort keine freien Plätze mehr:

"Shelters are caravans, old ones, reconstructed within the compound, based on donations. Their capacity is from 3 up to 5 people. The compound is located in the suburbs of Tirana, close to the cemetery, next to the compound that the municipality has built for the Roma families.

We don’t charge anything to stay in the compound, because all the caravans are from inland donations. The land is given to us by the municipality. There is a shared bathroom in the compound with water.

The compound offers much more than the Roma Community in Albania ever received. They have a shelter from the rain, they have a place to put their heads when it´s sunny outside, they can sleep on a bed, they have a bathroom, and lamps during the night light the entire compound.

There are only Roma families living there. The community used to live on the other side of the city, but their compound was mostly made of tents, caught fire last year, and two babies lost their lives due to cold weather.

Unfortunately, at the moment there are NO   free caravans at the compound, and in order to shelter more people, we must find a way to have a new caravan."

Wir wussten schon lange um die Angst unserer Freunde, der Familie Dako, in Tirana vom Müll leben und auf der Straße schlafen zu müssen, keine (ärztliche) Versorgung zu haben etc. –  diese E-Mail von Andi Mumxhiu von Mittwoch, dem 10. August 2016, bestätigt die Situation mehr als deutlich ...

 

Lesetipp: Burkaverbot
25. August 2016. Eine Burka ist kein Symbol ...
Wer Kopftuch und Burka verbieten will, tut so, als befreie er damit die muslimische Frau. Vielleicht könnte man die muslimische Frau einfach mal fragen, was sie will?
ZEIT ONLINE

 

Baderegeln
25. August 2016. Auf der Homepage der DLRG sind die Baderegeln in Piktogrammform und in vielen Sprachen, darunter auch Arabisch und Afghanisch, verfügbar. Die Informationen eignen sich zum Herunterladen, auch im Postkartenformat oder als Plakatmotiv.

 

Blog-Beiträge zu Flüchtlingen in Seligenstadt
22. August 2016. Zwei Journalismus-Studentinnen der Hochschule Darmstadt haben einen Blog ins Leben gerufen: "Rhein Main Refugees - Lernt uns kennen",  https://rmrefugees.wordpress.com . Zwei Beiträge thematisieren auch Seligenstadt:

Seligenstadt – ein ruhiges Örtchen im Landkreis Offenbach. Direkt neben den beschaulichen Häusern mit Gartenzwergen befindet sich eine Flüchtlingsunterkunft. Die Menschen dort fahren Fahrrad und spielen Cricket. Kleine Kinder beäugen uns neugierig. Sympathisch, die Flüchtlinge. Doch was halten die Seligenstädter eigentlich von den neuen Nachbarn?... Link zum Beitrag

Mit der Flüchtlingskrise im letzten Jahr brach in Deutschland auch eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Flüchtlinge wurden jubelnd an Bahnhöfen willkommen geheißen, es gab teilweise sogar zu viele Ehrenamtler. Kay Anja Schüler ist Sozialarbeiterin und ist seit Dezember 2015 in einer Flüchtlingsunterkunft in Seligenstadt tätig. Wir haben mit ihr über ihren Alltag mit Flüchtlingen und die Rolle von Sozialarbeitern & Ehrenamtlern gesprochen... Link zum Beitrag

 

Lesetipp: Parallelgesellschaften? 
14. August 2016. Integration ist immer eine zweiseitige Sache, ganz sicher gehört dazu die Bereitschaft der Zugewanderten, sich positiv auf "die Integration" einzulassen; ebenso sicher kann Integration nicht gelingen, wenn Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in der Gesellschaft mehrheitsfähig werden.

Deshalb ist es auch wichtig, in der politischen Diskussion darauf hinzuweisen, dass beides notwendig ist, wenn wir den sozialen Frieden und das "gute Zusammenleben" weiterhin erhalten möchten. Wer heute aus wahltaktischen Gründen dem Populismus nachgibt, trägt Verantwortung für die Zukunft unserer Gesellschaft. Hass und Ausgrenzung, Diskriminierung von Minderheiten, sprachliche Verrohung, geringe Toleranz, auch andere Auffassungen auszuhalten, lösen keine Probleme, ebensowenig wahltaktische "Lösungen", die nicht zum Problem passen.

Es wird uns nicht erspart bleiben, uns intensiver und genauer mit dem Thema Integration auseinanderzusetzen. Mit Blick auf die Wahlkämpfe wird dies in den nächsten Monaten nicht einfach werden. Im Interesse unserer Lebensqualität ist es aber dringend erforderlich, in der Mehrheitsgesellschaft eine positive Integrationsbereitschaft aufrechtzuerhalten. Aufgeklärte und informierte Bürgerinnen und Bürger können dann auch schnell unterscheiden was "Luftnummern im Wahlkampf" oder "ernsthafte Lösungsansätze" sind.

Burkard Müller

Im Zusammenhang mit gelungener oder mißlungener Integration spielt der Begriff der Parallelgesellschaft eine wichtige Rolle. Hier ein Lesetipp zum Thema:
www.sueddeutsche.de...  

 

Start ins neue Trimester
12. August 2016. Bericht der Offenbach-Post über das Integrationsprojekt FLIDUM:
www.op-online.de...

 

Somalia neu auf Liste der Länder mit guter Bleibe-Aussicht
Den AK Willkommen hat folgende Information erreicht: Die Liste der Herkunftsländer mit sogenannter guter Bleibe-Perspektive erweitert sich auf fünf Länder. Das heißt, dass seit 1. August 2016 neben den bereits bekannten Ländern auch Personen aus Somalia im laufenden Asylverfahren einen Integrationskurs besuchen können, der durch das Bundesamt gefördert wird. Konkret betrifft das in Seligenstadt ca. 20 Personen.

 

Start des neuen Trimesters Deutschunterricht im FLIDUM Seligenstadt
3. August 2016. Am Donnerstag, dem 4. August 2016 startet das neue Trimester 2/2016 des AK Willkommen in Seligenstadt mit 15 Kursen und 138 Schülern im neuen Kommunikationszentrum FLIDUM in Seligenstadt. Dazu kommen noch 12 Gastschüler aus Mainhausen, die das "Soziale Netzwerk" unterstützt.

Die Bandbreite des ergänzenden Unterrichts reicht vom Alpha-Kurs bis zu Level A1, A2. In Einzelfällen erfolgt auch die Unterstützung nach B1. Neu in diesem Trimester sind die Kurse PC und Berufsorientierung. Zusätzlich wird im September ein "offener Kurs" eingerichtet. Neben den Kursen bietet FLIDUM mittlerweile an 15 PC-Arbeitsplätzen Geflüchteten die Möglichkeit, durch Selbststudium ihre Deutschkenntnisse zu vertiefen. Die Hausaufgabenhilfe für die Grundschüler wird an den Schulen  weiterhin unterstützt. In vielfältiger Form erfolgt zusätzlicher  Deutschunterricht  in Einzel- oder in Kleingruppen.

Die Auswertung des abgelaufenen Trimesters 2016(Jan. bis Juli 2016) hat ergeben:

  • Insgesamt haben sich 70,6 % der erwachsenen Geflüchteten in Seligenstadt für Kurse im FLIDUM gemeldet.
  • Insgesamt haben ca. 45 % der Schüler im Wechsel vom 1. zum 2. Trimester 2016 einen Aufstieg in qualitativer Hinsicht erreicht. Das ist ein sehr schönes Ergebnis sowohl für die Lehrkräfte als auch für die Schülerinnen und Schüler.
  • Besonders erfreulich ist, dass die Zahl der Analphabeten auf die Hälfte verkleinert werden konnte.
  • Weiterhin stieg der Frauenanteil in den Klassen.

FLIDUM trägt zur Motivation bei. Selbst an Samstagen und Sonntagen sind Schülerinnen und Schüler im FLIDUM anzutreffen, die dort zusätzliche Lerneinheiten absolvieren. Zur Organisation der Kurse, auch für Nachzügler: Jeder Schüler erhält heute und morgen eine persönliche Einladung zu seinem Kurs durch den Arbeitskreis. Die Lehrkräfte erhalten die entsprechenden Klassenlisten. Die Kurspläne werden im Internet auf der Homepage unter der Rubrik "Deutschunterricht " veröffentlicht ( www.ak-willkommen.org).

Geflüchtete, die sich bisher noch nicht gemeldet haben und Geflüchtete, die in den nächsten Wochen Seligenstadt zugewiesen werden, können sich noch bis Mitte September jeweils am Donnerstag in der Zeit von 17 bis 19 Uhrim FLIDUM, Kolpingstraße 36, 63500 Seligenstadt, melden.

 

Sprache als Kernelement der Integration als einer der Schwerpunkte
Juli 2016. Dank des nach wie vor hohen Einsatzes der ehrenamtlichen Lehrkräfte des AK Willkommen in Seligenstadt und der Möglichkeiten, die FLIDUM bietet, können wir für 2016 ein umfangreiches Angebot an ergänzendem Unterricht anbieten. Die Eheleute Heymann haben die umfangreiche Planung übernommen. Mit dem breiten Angebot und der hohen Inanspruchnahme des Hilfsangebotes durch die Seligenstädter Geflüchteten zeigte sich Sprachkoordinatorin Hanne Auer sehr zufrieden. Auch die Sprachlehrer des AK haben gezeigt, dass nachhaltig durch die Zivilgesellschaft wesentliche Beiträge zur Integration geleistet werden.

 

Familie Dako
29. Juli 2016.  Schicksal der Roma-Familie Dako macht Helfer betroffen
www.op-online.de...

 

Lesehinweis: Spiegel ONLINE
28. Juli 2016. Der Mörder von München war womöglich ein Rassist, der Türken und Araber hasste. Freuen sich jetzt die Linken? Oder die Rechten, weil er ausländische Wurzeln hatte? Diese "Mein Schurke, dein Schurke"-Debatte muss aufhören.
www.spiegel.de

 

Amokläufer oder Terrorist?
27. Juli 2016. Wen nennen wir Amokläufer, wen Terrorist? Bei der Antwort geht es nicht nur um sprachliche Feinheiten. Sondern darum, wie eine Gesellschaft ihre Probleme ausblendet...
www.spiegel.de...

 

Lesehinweis: DIE SÜDDEUTSCHE ZEITUNG
22. Juli 2016. Das Wagnis des Helfens
Per Video beschimpfte der Attentäter das Land, das ihm geholfen hatte. Die naive Vorstellung hat Risse bekommen, dass aus Flüchtlingen gute Bürger werden, wenn man ihnen genug Gutes tut.
www.sueddeutsche.de...

Dazu eine Anmerkung von Burkard Müller, AK Willkommen:
Die entscheidende Frage ist: Was wäre möglich gewesen ohne die Hilfe der Helfer?!!! Die Antwort der Ochsenfurter Helfer ist richtig:
Jetzt erst recht.

 

Zugang zu Ausbildung und Arbeit
22. Juli 2016. Die IHK Darmstadt hat in einer Kurzfassung die wichtigsten Neuerungen für den Zugang in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zusammengefasst. Hier der Link:
https://www.darmstadt.ihk.de... 

Die Initiativen des AK  Willkommmen in Seligenstadt in Zusammenarbeit mit den Flüchtlingshelfern in Hainburg und Mainhausen zeigen positive Ergebnisse. Alleine in dieser Woche konnten drei Ausbildungsverträge und ein Arbeitsvertragzum Abschluss gebracht werden.

Eine Reihe von Vorstellungsterminen wurde vereinbart. Mehrere Arbeitgeber haben Ausbildungs- und Praktikumsplätze mitgeteilt. Ein schöner Erfolg! Ein großes Kompliment an unsere Sprachhelfer, die die Grundlage mit ihrem Unterricht geschaffen haben, und an die Sparte Arbeit.


Lesehinweis: DIE ZEIT zum Würzburger Attentat

19. Juli 2016. "Wir sehen kein Radikalisierungsrisiko unter jungen Flüchtlingen" ...
http://www.zeit.de/wissen...

 

Schwimmkurse oder: Wie halte ich mich über Wasser?
13. Juli 2016. Die kürzlich gestellte Frage, wer Interesse an Schwimmkursen hat, wurde schnell positiv beantwortet. Hier der Bericht aus der Offenbach Post über die Schwimmkurse in Seligenstadt:

www.op-online.de...

Jetzt fehlen nur noch die richtigen Schwimmtemparaturen. Wir wünschen viel Spaß und freuen uns, dass es so schnell möglich war, diesen Kurs zu organisieren. Vielen Dank an die Helferinnen und Helfer.

 

Selbststudium im F L I D U M
Seit 11. Juli können Interessierte über eine Lernsoftware im  F L I D U M ihre Deutschkenntnisse üben, Tests machen und dadurch die "Unterrichtszeit" verlängern bzw. intensivieren. Möglich wurde dies durch eine Spende der Fa. Lexmark, die fünf Laptops und passende Dockstationen gespendet hat.  Die IHK Offenbach steuerte die Flachbildschirme dazu bei.

Vielen Dank! Die ersten Schüler testeten und trainierten bereits ... und sind begeistert.

 

 

Flüchtlingsrat: PC-Kurse im FLIDUM
8. Juli 2016. Thema der letzten Sitzung der Steuergruppe war u. a. der Aufbau eines Flüchtlingsrats. Bei der letzten Vollversammlung wurde diese "neue Sparte" ins Leben gerufen. Mittlerweile wohnen Flüchtlinge mit den erforderlichen Sprachkenntnissen und der Bereitschaft zur Mitarbeit in Seligenstadt - jetzt kann der Flüchtlingsrat starten.

Es ist dem AK Willkommen in Seligenstadt wichtig, nicht nur die Gedanken und Ideen der "deutschen" Helfer in die Beratungen und Aktivitäten einzubeziehen - auch das, was die Flüchtlinge selbst an Vorstellungen, Gedanken und Ideen haben, soll den Intergrationprozess begleiten.

Der erste Vorschlag war, Schulungen am PC anzubieten. PC-Kenntnisse werden im Alltagsleben und in der Schule, Berufsschule etc. dringend gebraucht. Die technischen Voraussetzungen sind im FLIDUM bereits geschaffen. Nun werden PC-geübte Helferinnen und Helfer für die Kurse gesucht: Bitte melden unter kontakt(at)ak-willkommen(dot)org.

 

Impressionen aus dem F L I D U M
29. Juni 2016. Konversation und Begriffserklärung: lebendiger Unterricht. Im F L I D U M-Foyer wurde eine Cafétisch vorbereitet. Im Rollenspiel mit Kellner, Gästen, mit Kaffee und Kuchen übten die Teilnehmer eine Gesprächssituation. Mit sichtlichem Spaß, wie zu sehen ist.

Fotos: AK Willkommen

U nter der Rubrik Deutschunterrichtist der jeweils gültige Kursplan im F L I D U M aufgeführt. N euanmeldungen sind immer donnerstags in der Zeit von 16 bis 17 Uhr möglich. Einfach vorbeischauen. 

 

Sicherheitsmaßnahmen am Roten Haus
27. Juni 2016. Die Gewaltandrohung  des jungen Rechtsradikalen, der mit "Heil Hiltler-Gruß", Beschimpfungen und Drohungen vor dem Roten Haus aufgefallen ist, haben den AK Willkommen in Seligenstadt  veranlasst, nochmals verstärkt Sicherheitsmaßnahmen von Betreiber des Flüchtlingswohnheimes, dem Kreis Offenbach einzufordern. Vor allem außerhalb der Dienststunden der Caritas (nachts und an Wochenenden) muss nach unserer Auffassung eine erfahrene Person vor Ort ansprechbar und handlungsfähig sein, um die Flüchtlinge und die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer zu schützen.

Landrat Oliver Quilling hat Koordinator Burkard Müller telefonisch zugesichert, dass zeitnah eine Sicherungsmaßnahme während der "Caritas-freien Zeit" erfolgt.

 

Rassistischer Auftritt
24. Juni 2016. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch tauchte ein junger Mann vor dem Roten Haus auf,  zeigte mehrfach den  "Hitlergruß" und bedrohte mit übelsten Beschimpfungen Flüchtlinge sowie die anwesende ehrenamtliche Helferin.

Die zu Hilfe gerufene Polizei entfernte den sehr aggressiv auftretenden Mann aus einer Nachbargemeinde vom Gelände und erteilte ihm einen Platzverweis. Durch die schnelle Reaktion der Helferin und das Eingreifen der Polizei konnte eine Eskalation verhindert werden.

 

Auseinandersetzungen in Seligenstädter Flüchtlingsheim
15. Juni 2016. Zurzeit erreichen den AK Willkommen zahlreiche Anfragen zu Auseinandersetzungen in einem Seligenstädter Flüchtlingsheim und der dazu erfolgten Berichterstattung in einem Online-Journal. Dazu gibt der AK Willkommen folgende Stellungnahme ab:

Nach unserem Kenntnisstand ist der Bericht nicht korrekt. Nach Gesprächen mit Flüchtlingen im Haus, mit der Caritas, der Polizei und dem Staatsschutz lassen sich keine Belege finden, dass die Aussage "Lasst uns die ungläubigen Christen abschlachten!" gefallen ist. Auch die Darstellung über den Ablauf des Konflikts ist nicht korrekt. Es gab keine Messerstiche, keine Schwerverletzten usw. Unrichtig ist, dass nur eine einzige christliche Familie in dem Wohnheim untergebracht ist. Vielmehr liegt der Anteil christlicher Bewohner bei etwa 40 Prozent. Weder das tatsächliche Motiv noch die Verursacher sind eindeutig festzumachen, den Aussagen zufolge gibt es offenbar auch keinen einseitigen Verursacher.

Die beteiligten Personen sind uns bekannt. Wir führen Gespräche mit ihnen und machen ihnen sehr deutlich klar, dass unsere Spielregeln nicht Gewalt beinhalten. Desungeachtet sind wir Realisten genug zu wissen, dass beim Zusammenleben so vieler Nationen und Kulturen unter diesen Bedingungen Konflikte nicht auszuschließen sind.

Der Bericht des Berlin Journal wird allerdings sehr stark auf einschlägigen Seiten im Internet verbreitet. Erfahrungsgemäß wird so auch der Nährboden für Übergriffe auf Flüchtlingsheime vorbereitet.Deshalb haben wir dazu ebenfalls Maßnahmen veranlasst.

Zudem haben wir eine offizielle Anfrage an die Pressestelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge gerichtet, ob denn die im Bericht genannte Berichterstatterin auch tatsächlich dort beschäftigt ist und welche Informationen dort vorliegen. Die Verantwortlichen haben wir gebeten, die Sicherheitskontrollen zu erhöhen. Desweiteren fordern wir einen Notfalldienst für die Zeiten, in denen die sozialpädagogische Betreuung nicht zur Verfügung steht, vor allem nachts und am Wochenende. Diese Forderung haben wir schon vor Monaten gegenüber dem Betreiber Kreis Offenbach erhoben und werden sie jetzt erneut nachhaltig vortragen. 

 

"Bunte Praxis"

8. Juni 2016. Die Offenbach-Post berichtet über einen engagierten Seligenstädter Arzt:
www.op-online.de/region/seligenstadt/allgemeinmediziner-oliver-duell-froschhausen-behandelt-auch-fluechtlinge  
  

Elterninformationen in arabischer Sprache
Hilfreiche Kurzfilme für arabisch sprechende Eltern geben Antworten auf folgende Fragen: Wie läuft das in Deutschland? Was ist hier anders? Es geht um die Themen Schwangerschaft, Geburt, Familie, Kinderrechte, Erziehung und Gesundheitswesen. Die Kommentierung der Filme erfolgt in arabischer Sprache mit deutschen Untertiteln:
www.youtube.com...

 

Schreiben einer ehrenamtlichen Helferin
30. Mai. 2016. Über ihre Erfahrungen und Erlebnisse in den vergangenen 12 Monaten berichtet eine ehrenamtliche Helferin in einem Schreiben an den AK Willkommen:

„Ich möchte gern mal weitergeben, welche Entwicklung "meine Jungs" inzwischen genommen haben. Es war ja anfangs eine Gruppe von 8 jungen Männern. Einer ist nach Schweden weitergezogen, einer wurde letztes Jahr 18 Jahre alt und kam nach Offenbach in eine 3er-WG. Mit ihm habe ich noch Kontakt, es geht ihm gut und er geht in der Käthe-Kollwitz-Schule in eine Integrationsklasse.

Die restlichen 6 Jugendlichen sind dann zusammen in eine Wohngemeinschaft nach Zellhausen verlegt worden und kamen noch bis Ende Dezember zu mir nach Hause in den Unterricht. Heute kommen sie nur ab und zu mal zu Besuch.

Ab Januar gingen dann 4 von ihnen täglich in Frankfurt zum Deutschunterricht. Seit April gibt es nun in Frankfurt ein Programm der IG Bau für ein duales Ausbildungssystem, d.h. die Jungs machen eine Lehre als Zimmermann, Maurer, Gerüstbauer etc. und nebenher den Hauptschulabschluss. Alle haben die Aufnahmeprüfung prima bestanden. Da ich mich immer noch  mit den Jungs treffe, kann ich beobachten, wie gut sie sich im letzten Jahr entwickelt haben – es sind richtige "Männer" geworden.

Ich freue mich, dass  ihr den Verein Willkommen in Seligenstadt gegründet habt und ich zu Euch stoßen durfte, das hat mein Leben sehr bereichert.

Weitere 2 Jungs gehen ebenfalls in Offenbach zur Schule, wobei einer dieses Jahr bereits seinen Hauptschulabschluss versuchen will. Der andere war mein treuester und fleißigster Schüler, der bereits bei unserem Besuch des Hessischen Landtags so viel Vertrauen zu mir gefasst hatte, dass er mir während der Busfahrt seine Fluchtgeschichte erzählt hat. Nach den Osterferien hat dann unser Familienrat beschlossen, ihn in unsere Familie aufzunehmen. Seit dieser Zeit wird er von unseren Enkeln als großen Bruder in Beschlag genommen und es funktioniert wunderbar. Wir sind glücklich über unser neues Familienmitglied und ich bin stolz, dass ich für ihn die "Mama" bin. Dadurch bin ich aber auch voll und ganz mit seiner Förderung ausgefüllt. Es tut mir wirklich leid, dass ich im Moment keine weiteren jungen Flüchtlinge unterrichten kann, aber ich kann das zeitlich nicht schaffen. Eventuell können das neue Familienmitglied und ich uns in FLIDUM einbringen.

Zu zeitlich begrenzten Sonderaufgaben bin ich immer bereit. Wir freuen uns auf die kommenden Treffen und Feste, zu denen wir auch gerne unseren Beitrag leisten oder Dienste übernehmen. Auf alle Fälle freue ich mich auf ein Wiedersehen. Ich finde super, was ihr auf die Beine gestellt habt.  Weiter so!“

J.W., Seligenstadt
Die Verfasserin dieses Schreibens steht Mitgliedern des AK gern zur Verfügung, wenn es Fragen gibt oder ein Erfahrungsaustausch gewünscht wird. Wer Kontakt zu ihr aufnehmen möchte, schickt am besten eine Mail an: Fluechtlinge(dot)Seligenstadt(at)gmail(dot)com 

 

Handlungsleitfaden "Integration von geflüchteten Familien"
29. Mai. 2016. Das Kompetenzteam "Frühe Bildung in der Familie" der Evangelischen Hochschule Berlin hat im Auftrag des Bundesfamilienministeriums einen Handlungsleitfaden für Elternbegleiterinnen und Elternbegleiter erarbeitet:

Integration von geflüchteten Familien - Handlungsleitfaden...

 

AK Willkommen möchte helfen
20. Mai 2016. Die Offenbach-Post berichtet über die Abschiebung der Roma-Familie und die Bemühungen des AK Willkommen:
www.op-online.de...

 

Aufruf zur Solidarität: Ausweisung einer weiteren Roma-Familie

Familie Dako - aus Fremden sind Freunde geworden. Nun droht die Abschiebung

14. Mai 2016. Obwohl den Verantwortlichen die prekäre Lage der Roma auf dem Balkan bekannt ist, werden deren Gründe, sich um Asyl zu bemühen, völlig ignoriert. Der Kosovo, Albanien usw. seien sichere Herkunftsländer, heißt es, und damit wird der Asylantrag als unbegründet abgetan. Nun soll wieder eine Familie ihre Koffer packen, nachdem sie fast ein Jahr in unserer Gemeinde große Integrationsbemühungen unternommen hat.

Das für uns Unfassbare: Die Familie hat einen nicht einmal mal 2 Monate alten Säugling, mit dem sie demnächst evtl. zumindest vorübergehend auf der Straße landen wird. Es gibt zwar Verwandte in Tirana, doch diese Familienmitglieder leben alle schon selbst auf engstem Raum in zum Teil menschenunwürdigen Verhältnissen, und das zu hohen Mietpreisen – ohne Mietvertrag, denn die Besitzer nutzen die schutzlose Situation der meist ungebildeten Roma aus.

Was wird aus unseren Freunden dort werden?

Wird der Vater, der hier überall mit angepackt hat – ob in der Fahrradwerkstatt, dem Fundus, bei Festen –, der bei Renovierungen und Gartenarbeiten bei Freunden stets verlässlich geholfen hat, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten, etwas arbeiten dürfen?

Wird das Schulkind, das hier lesen und schreiben gelernt hat, weiterhin eine Schule besuchen oder erneut die Erfahrung machen müssen, dass es unerwünscht ist und nach einigen Wochen entmutigt aufgeben?

Wird das Kindergartenkind in den Kindergarten gehen? Wohl nur, wenn dieser bezahlt werden kann und das sind 32,50 € im Monat. Dabei fängt Bildung und damit auch Integration in die Gesellschaft im Kindergartenalter an.

Die Erfahrung, die sogar vom Europarat beleuchtet wird, zeigt indessen:

„In den meisten Regionen Europas haben die Roma-Kinder keinen Zugang zu einer qualitativ gleichwertigen Bildung wie andere Kinder. Die Zahl der Fehlzeiten und Schulabbrüche ist inakzeptabel hoch und steigt weiter. Die Armut und die Traditionen einiger Gemeinschaften schaffen noch zusätzliche Hindernisse für die Ausbildung der Roma.

Diskriminierung und Vorurteile sind der Grund für diese tief verwurzelte Ungleichheit beim Zugang zur Bildung. Einige Roma-Kinder können die Schule ganz einfach nicht erreichen, da sie zu weit entfernt wohnen. Andere Kinder werden in isolierten Schulen untergebracht, weit weg von der Gesellschaft oder in Klassen für Kinder mit besonderen Bedürfnissen allein aufgrund von ethnischen Kriterien, ohne vorangehende psychologische oder pädagogische Beurteilung. Durch den getrennten Unterricht werden die Roma-Kinder bereits sehr früh aus der Gesellschaft ausgegrenzt und Kontakte zwischen Roma- und Nicht-Roma-Kindern verhindert.“

Quelle: Der Europarat – Schutz und Rechte der Roma,  http://www.strassburg-europarat.diplo.de...

Aus diesem Grund sind auch die Eltern kaum in der Lage, sich und ihre Familie vor Ort zu integrieren, Arbeit zu finden und einen geregelten Lebensunterhalt zu erwirtschaften. Ein Teufelskreis, der vermutlich leider auch auf die 3 Kinder einbeziehen wird …

Und der Säugling? Noch hat er nicht einmal einen Impfschutz … Abgesehen davon wird den Kleinen in Albanien kein Arzt ohne entsprechende Gegenleistung behandeln. Daher ist die Gefahr im ersten Lebensjahr zu versterben, für den kleinen Roma-Jungen signifikant höher als bei anderen Albanern:

Laut UNICEF haben Roma-Kinder eine um ein Drittel geringere Chance, das erste Lebensjahr zu überstehen als andere Kinder. Immer wieder werden Roma Opfer rassistischer Gewalt.“
https://www.proasyl.de/thema/fakten-zahlen-argumente/fakten-gegen-vorurteile....

Wir können der Familie leider trotz aller Argumente nicht zum Bleiberecht verhelfen. Wir können aber deutlich machen, dass wir dies ungerecht finden und mit einer Unterschrift bekunden, dass wir die Ausweisung der Familie als inhuman ablehnen: https://www.change.org...

Außerdem unterstützen wir die Initiative, die am diesjährigen Roma-Day entstand und in der sich Organisationen und Politiker für meh r Rechte für Sinti und Roma einsetzen. Wir nd laden Sie ein, dies auch zu tun: https://www.change.org/p/romaday...

Und wir können versuchen, Hilfe vor Ort organisieren: Ein KiTa-Platz ist schon gefunden, nur muss er auch finanziert werden. Mit einem kleinen Startkapital könnte die Familie zumindest im nächsten Winter über die Runden kommen. Dann kann man nur hoffen, dass über die Integration in Schule und Kindergarten Kontakte entstehen, die der Familie dabei helfen, dem oben beschriebenen Teufelskreis zu entkommen …

Daher bitten wir um Ihre Spende:

Spendenkonto: Kath. Pfarrgemeinde St. Marien – Flüchtlingshilfe
Institut: Sparkasse Langen-Seligenstadt
IBAN: DE14506521240001136225
Verwendungszweck: Roma


Fremdenfeindlichkeit und Hetze
9. Mai 2016. Wie auch in Seligenstadt und Umgebung soziale Netzwerke benutzt werden, um Stimmung gegen Willkommenskultur, Integration und Humanität dokumentiert die Offenbach Post eindrucksvoll:
http://www.op-online.de/region/seligenstadt/facebook-seite-wachsamer-nachbar-seligenstadt-grenze-zwischen-kritik-hetze...

Wir müssen nicht alle einer Meinung sein.Meinungsfreiheit ist ein Erfolg langer Kämpfe in Deutschland und Europa. Wir treten dafür ein, dass jeder seine Kritik ohne Schaden äußern kann. Dazu gehören manchmal auch Mut und das Bekenntnis zur eigenen Meinung. Anonyme Meinungsfreiheit gehört nicht dazu. Falschmeldungen unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit unter Tarnnamen auch nicht. 
 

Arbeitsmarkt:
Deutsche und Flüchtlinge stehen nicht in Konkurrenz

4. Mai 2016. Hier ein Beitrag zum Nachlesen:
www.zeit.de/wirtschaft ...
Auch unserer AK ist mit Blick auf Arbeitsmöglichkeiten sehr aktiv, wenn es um die Unterstützung der nach Seligenstadt geflüchteten Menschen geht. Einfach ist die Aufgabe nicht: Die gesetzlichen Voraussetzungen sind längst nicht so, wie es erforderlich wäre. Dennoch ist es uns gelungen, Arbeits- und Ausbildungsplätze, Praktika und Schnuppertage zu organisieren.Die Helfer aus dem Aufgabenbereich Arbeit treffen sich z. B. heute auch mit den Helfern aus Hainburg und Mainhausen, um über weitere Hilfsangebote zu sprechen. Damit wollen wir auch den gesamten Arbeitsmarkt im Ostkreis ansprechen.

Unter "Dokumente" finden Sie auf unserer Homepage die wesentlichen Bestimmungen sowie zusätzliche Informationen zu diesem Thema - unentbehrlich für Arbeitgeber und Helfer, die sich mit diesem Thema beschäftigen.

Wie wichtig die Sprachkenntnisse für eine Perspektive der zu uns geflüchteten Menschen sind, zeigt der oben genannte Zeitungsartikel. Einmal mehr wird dadurch auch der Stellenwert unseres neuen Integrationshauses FLIDUM (Flüchtlinge lernen integrativ Deutsch und mehr) deutlich.

 

Die neuen tödlichen Routen nach Europa
April 2016. Europa hat das Mittelmeer abgeriegelt. Doch die Not der Flüchtlinge ist nicht verschwunden. Eine Grafik von ZEIT ONLINE zeigt, wo die Menschen sind – und welche Wege ihnen bleiben.die Anzahl der Flüchtlinge ausserhalb der Grenzen von Europa steigt.
www.zeit.de/politik/2016-04/fluechtlingsrouten-europa-mittelmeer

Die politische Frage ist, wie lange das derzeit inhumane Verhalten Europas anhält.

 

Humanität, 2
April 2016. "Wir müssen die Grenzen sichern, damit wir in der Lage sind, den tatsächlich Hilfsbedürftigen einen sicheren Zugang in unser Land zu ermöglichen. Den Frauen und den Kindern die vom Bürgerkrieg bedroht sind." So war es auf allen Kanälen und aus dem Mund vieler politisch Verantwortlicher noch vor wenigen Wochen zu hören.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge vermeldet in seinem neuesten Newsletter auch mit Stolz: 17 (!!!) Syrer seien vor zwei Wochen und in der letzten Woche 34 (!!) Syrer in Deutschland gelandet im Zuge des sicheren Rückführungsprogramms".
Hierdie Meldung im Wortlaut:

Resettlement-Verfahren: 17 syrische Flüchtlinge gelandet

15.04.2016

Heute (15.04.2016) sind 17 syrische Flüchtlinge planmäßig am Flughafen Hannover gelandet. Deutschland erfüllt damit seine Verpflichtungen aus der EU-Türkei-Vereinbarung und nimmt syrische Staatsangehörige im Rahmen des Resettlement-Verfahrens auf.

Für die fünf Familien, sowie ein älteres und ein jüngeres Ehepaar, verlief der Flug unproblematisch, die Einreisekontrollen auch. Thomas Langwald vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat die Aufnahme vorbereitet. Nun begrüßte er die Ankommenden persönlich: Sie haben einen weiten Weg hinter sich gebracht. Sie sind nun in Sicherheit und können zur Ruhe kommenund gab ihnen Informationen zum weiteren Ablauf. Die Familien werden in den nächsten 14 Tage im zentralen Grenzdurchgangslager Friedland untergebracht. Neben Unterkunft und Verpflegung werden sie dort in den sogenannten Wegweiserkursen grundlegendes Wissen über Deutschland und erste Deutschkenntnisse erhalten. Nach Ablauf der 14 Tage werden sie anschließend auf die vorgesehenen Bundesländer verteilt. Familiäre oder andere integrationsfördernde Bindungen werden dabei berücksichtigt.

Soweit die Meldung. Das Flüchtlingshilfswerk der UN (UNHCR) meldet 400 Tote im Mittelmeer auf der Fahrt von Ägypten nach Italien, 500 Tote Flüchtlinge am Samstag von der Fahrt von Libyen nach Italien, 41 Tote auf dem Mittelmeer auf der Fahrt von der Türkei nach Griechenland ... in der gleichen Zeit.

Der italienische Ministerpräsident sieht eine Einreisewelle über das Mittelmeer auf Italien zukommen. In einem Papier fordert er die Solidarität der Europäer. Den Nachrichten zufolge hat die Bundesregierung negativ reagiert. Erinnern wir uns an die vielen Aussagen, wir müssen in Europa solidarisch sein? Ist schon lange her mindestens sechs Wochen.

Tränengas an der griechischen Grenze, Schließung der Erstaufnahmeeinrichtungen in Deutschland auf breiter Ebene. Gutachten zufolge kostet die Schließung der Grenzen zwischen 9 und 15 Milliarden €. Mit der Schließung der Grenzen sind die Flüchtlinge nicht weg: Die Frauen, Männer und Kinder, die um ihr Leben fürchten, sind immer noch da. Die Schlepper sind auch noch da. Was für die Flüchtlinge dazukommt: Es wird Ihnen schwer gemacht, sich und ihre Familien in Sicherheit zu bringen.

Es soll Ruhe in das Land. Schlimm das Ganze, aber ja weit weg. Und Geld spielt keine Rolle. Wie geht es uns, den Helfern in der Flüchtlingshilfe dabei? Ist die Willkommenskultur passé? In einem bemerkenswerten Artikel in ZEIT ONLINE beschreibt eine Helferin ihre Einschätzung der Situation:

Integration: Die Saat der Neunziger ist aufgegangen | ZEIT ONLINE
www.zeit.de/kultur/2016-04/integration-inklusion-gefluechtete-europa-hoffnung-veraenderung-normalitaet...

Ich kann mich dem nur anschließen: Humanität läßt sich nicht durch Staatsverträge, Gesetze und Verordnungen beseitigen. Es ist ein Grundwert, ein Wert, für den einzutreten sich lohnt. Ich lasse mir das nicht verbieten und ich will mich auch nicht daran gewöhnen.

Burkard Müller
 
 

Humanität!?
April 2016. Vier Wochen alt ist Emmi jetzt. Pech für Emmi: Sie ist als Kind einer Roma-Familie in Seligenstadt zur Welt gekommen. Die Familie soll abgeschoben werden. Eine Bleibe in Albanien gibt es nicht. Kein Schlafplatz, keine Wohnung. Wie wir aus anderen Abschiebungen wissen und auch aus ständigen Kontakten mit bereits aus Seligenstadt nach Albanien abgeschobenen Roma-Familien, wird es sehr schwierig werden, eine Unterkunft zu finden.

Sind wir in unserer Gesellschaft schon so weit, dass letztlich gesagt wird: "Ja, auch während der Mutterschutz-Zeit kann abgeschoben werden. Ja, ist schlimm, wenn die Familie und die drei Kinder im Müll schlafen müssen, aber das ist nicht Sache der Behörde. Das spielt keine Rolle."

"Wir dürfen uns nicht von Kinderaugen erpressen lassen", so Herr Gauland von der AFD! Umkehrschluss: Ist humanes Verhalten bei uns nur noch durch Erpressung möglich?

"Wir müssen uns in den nächsten Wochen an schreckliche Bilder gewöhnen", so unser Bundesinnenminister. Soll es unsere größte Sorge sein, dass wir uns an Schreckliches gewöhnen müssen?

Nein, auch wir können nicht die Welt retten, nicht alles Elend beseitigen. Aber darum geht es hier nicht. Hier geht es um einen konkreten Fall, darum, dass mit einer humanen Einstellung Kindern eine Chance gegeben wird, damit sie eine Perspektive haben.

Der AK Willkommen wird weiter berichten.
 

Beharrlichkeit zahlt sich aus: Seligenstädter Arzt lässt sich nicht abwimmeln

Integration darf nicht an "Zuständigkeiten" scheitern

www.op-online.de/offenbach/arbeitslosen-behoerden-offenbach-lassen-junge-aerztin-syrien-notwendigen-sprachkurs-bangen...  

15. April 2016. Dr. Christian Klepzig, aktiver Helfer im AK Willkommen in Seligenstadt, betreut als Pate hier in Seligenstadt einen HNO-Arzt und in Offenbach eine syrische Ärztin. Mithilfe seiner Zähigkeit, der Offenbach-Post und unserer Interventionen ist jetzt eine positive Endscheidung getroffen worden. Sehr gut. Sehr gut für den Einzelfall – ganz gelöst ist das Problem damit aber nicht.

Was uns als Helferinnen und Helfer nervt und die Arbeit erschwert, offenbart zum Teil dieser Fall. Die Behörden prüfen immer zuerst die Zuständigkeit. In vielen Fällen wird bei der Antwort an den Anfragenden keine oder nur unzureichende Hilfestellung geleistet, wie und wer denn weiterhelfen kann. Hat der Geflüchtete keinen deutschen Paten, der ihn durch Zähigkeit und Nachfragen, -bohren usw. begleitend unterstützt, ist der Geflüchtete im Behördendschungel verloren. Das Pauschalurteil lautet dann: Der Flüchtling will ja nicht – oder zeige zu wenig Eigeninitiative. Dabei ist es aufgrund der vielfältigen Gesetzesänderungen in den letzten Wochen selbst für Sachbearbeiter in den Behörden schon schwierig, den Überblick zu behalten.

Noch allzu oft – wir haben es auch in dieser Woche erlebt – wird den Ehrenamtlichen gesagt: „Geben Sie doch einfach den Geflüchteten den Hinweis, diejenige oder derjenige ist zuständig, Die zuständigen Stellen kümmern sich dann darum.“ Das soll dann sicherstellen, dass die "Profis" und nicht die Ehrenamtlichen als „Nichtprofis“ die Angelegenheit in die Hand nehmen.

Hier ist ein Umdenken dringend erforderlich. Aufgabe der Ehrenamtlichen ist es nicht, die Arbeit der Profis zu machen. Sehr wohl aber sehen wir unsere Aufgabe darin, den geflüchteten Menschen Hilfestellung zu geben, damit sie sich im Behördendschungel zurechtfinden. Es kann nicht nur um die Feststellung einer Zuständigkeit gehen, sondern darum, auch ergebnisorientiert Wege zu gehen – wie der oben genannte Fall zeigt. Hier besteht noch erheblicher Diskussions- und Klärungsbedarf.

Aber Fälle wie dieser zeigen auch, wie wertvoll Patenschaften sind, um den Flüchtlingen einen Einstieg in unsere Gesellschaft zu ermöglichen und damit letztlich Integration zu erreichen. Jeder der helfen möchte, sollte überlegen, ob er sich nicht auch als Pate einbringen kann!  

 

Hilfreiches Kirchenasyl
14. April 2016. Awet ist ein junger Mann aus Eritrea. Seit sechs Wochen, seit 1. März 2016, lebt er im Schutzraum der Evangelischen Kirchengemeinden Hainburg sowie Seligenstadt und Mainhausen. Nun ist gewiss, dass dieses „Kirchenasyl“ sein Ziel erreicht hat: Das Verwaltungsgericht Frankfurt am Main hat in zwei Beschlüssen vom 11.4.2016 Awet zum einen Rechtsschutz in der Bundesrepublik Deutschland für die Zeit des Klageverfahrens gewährt (und damit einen anderslautenden Beschluss aufgehoben), zum anderen das Ablaufen der Überstellungsfrist nach Italien im Rahmen der Dublin-Regelungen feststellt. Damit ist nun die Bundesrepublik Deutschland für Awets Asylverfahren zuständig.

Der Grund für das „Kirchenasyl“ – die drohende Abschiebung ins EU-Ersteinreiseland – ist damit entfallen. Awet kann sich nun wieder frei bewegen. Wenn von Behördenseite alles gut geht, erhält er am 21. April im Ausländeramt seine neue Aufenthaltsgestattung. 

Ein herzliches Yeqenyeley!/Danke!/Vergelt’s Gott! sagen die beteiligten Kirchengemeinden für alle Solidarität, Unterstützung, Ideen, Besuche, Gebete und die großzügigen Spenden an Geld, Essen und Zeit. Es ist eine gute Erfahrung der beiden Kirchengemeinden, dass sie mit den gemeinsamen Bemühungen in keinem Augenblick allein waren – und dass sie in der Deutlichkeit der Aussage letztlich überzeugend waren.

Das „Kirchenasyl“ ist beendet – die Solidarität mit Awet und für seine Asylanerkennung als Flüchtling in Deutschland geht weiter. Nun gilt es, Awet weiterhin gemeinsam zu unterstützen. In den kommenden Wochen wird er noch keine Zuweisung und damit kein eigenes Geld haben. Auch über Besuche und die Freundschaft derer, die ihn kennengelernt haben, freut sich Awet weiterhin.

Der AK Willkommen schließt sich der Danksagung und der Freude aller Beteiligten an. 

 

Integration konkret

Die Schuhmachertradition in Seligenstadt hat Zukunft!

April 2016. Nach der lobenswerten Initiative des Seligenstädter Schuhmachermeisters Stefan Stegmann haben wir einen Auszubildenden (einen von zwei im Kreis OF) für das Schuhmacherhandwerk. Der junge Mann kam aus Afghanistan zu uns. Auch dank der Mithilfe der Offenbach-Post hat der junge Mann eine Wohnung in Seligenstadt gefunden. Damit es auch in der Berufsschule klappt, organisiert die Gruppe Sprachen des AK Willkommen derzeit Stützunterricht für den jungen Mann. Eine "Lehrkraft" hat sich gefunden, die sich um ihn kümmert. Seinen Sprachtest macht er in Kürze. Gemeinsam geht Vieles, auch wenn es manchmal schwierig ist.

Ärztliche Unterstützung

Der Mangel an Ärzten ist groß. Wir haben in Seligenstadt einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt, der jedoch nicht arbeiten darf. Seit Oktober 2014 wartet er mit seiner Familie auf den Bescheid. Dankenswerterweise haben aus der Ärzteschaft die "Kollegen" hilfreich an seiner Eingliederung gearbeitet. Mit finanzieller Unterstützung und zusätzlichen Sprachkurses hat er jetzt eine der wichtigsten Sprachprüfungen mit Bravour bestanden. Der nächste Schritt ist jetzt ein auf das Berufsbild zugeschnittene Ausbildung. Wir sind optimistisch. Ein Dankeschön an alle, die trotz der wahrlich nicht einfachen behördlichen Auflagen und Hindernisse nicht aufgegeben haben.


10.000 Besucher
April 2016. Seit 4. November wird die Anzahl der Website-Besucher statistisch erfasst. Nun wurde die 10.000-Marke "geknackt": Am 4. April waren es über 10.000 User, die die Homepage des AK Willkommen angewählt haben.

 

Größere Arbeitsbasis und erweitertes Netzwerk
April 2016. Auf der Sitzung der Steuergruppe des AK Willkommen in Seligenstadt am 4. April ging es neben den Berichten aus den einzelnen Bereichen die sich erfreulich und nachhaltig entwickeln vor allem um die folgende Fragestellung:

  • Wie lässt sich das Hilfsangebot für die zu uns nach Seligenstadt geflüchteten Menschen erweitern und fortentwickeln? 
  • Wie bringen wir die Menschen am besten in Arbeit und Ausbildung?

Hier hat der Gesetzgeber die Hürden sehr hoch gelegt: Noch immer entsprechen die geltenden Regelungen eher einem Abweisungs- als einem Eingliederungsgesetz. Dennoch wollen wir die bestehenden Möglichkeiten nutzen. Einige Erfolge in Richtung Arbeits- und Ausbildungsmaßnahmen sind bereits zu verzeichnen. Dabei wirken die Sparten Arbeit, Sprache und Wohnung eng zusammen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Sitzung war die Ausrichtung und Erweiterung des Netzwerkes im Zusammenhang mit dem Aufbau von FLIDUM (Flüchtlinge lernen integrativ Deutsch und mehr). Einige Klippen sind noch zu umschiffen, aber die Weichen wurden gelegt. Es gilt nun, die Zusammenarbeit und die Transparenz der einzelnen Sparten weiter zu fördern, ebenso die Eigeninitiative der ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen.

Facebook
Mit der Facebook-Seite des AK Willkommen haben wir ein weiteres Medium etabliert, das sehr gut gestartet ist. Unser Ziel ist, aktuelle Informationen rund um die Flüchtlinge in Seligenstadt auch über diesen Kanal zu kommunizieren, zu dokumentieren und zu signalisieren: Es gibt viele Menschen, die das Anliegen des AK Willkommen befürworten. 

Integration ist ein langfristiger Prozess. Wir sind dankbar für jede Helferin und jeden Helfer für alle, die uns dabei helfen und unterstützen. Je breiter wir unsere Arbeitskapazitäten aufstellen können, desto mehr entlasten wir uns alle. Verstehen Sie das bitte als Einladung zum Mitmachen: Wir freuen uns auf und über Ihre Unterstützung!

 

Unverständnis für Abschiebepraxis der Behörden
April 2016. Über die Abschiebung von Roma-Familien aus Albanien, die in Seligenstadt bereits gut integriert waren, berichtet die Offenbach-Post vom 2.4.2016:
www.op-online.de/region/seligenstadt/seligenstadt-nach-abschiebung-einer-albanischen-fluechtlingsfamilie...

Auch durch die Starthilfe des AK Willkommen aus Spenden der Seligenstädter Bevölkerung konnte die Familie Geci in Tirana eine Wohnung finden. Das hat Herr Geci dem AK Willkommen mitgeteilt: Viele liebe Grüße an alle, die ihnen in Seligenstadt geholfen haben, und vielen Dank sollen wir ausrichten.

Dramatischer ist noch die Situation der Familie Dako. Sie hat noch keine Wohnung gefunden. Das ist auch ungleich schwieriger, da im "sichereren Herkunftsland" Albanien Roma nach wie vor diskriminiert werden. Zur Zeit teilt sich die fünfköpfige Familie ein Zimmer mit 12 weiteren Personen. Geschlafen wird in Schichten, die Männer müssen im Freien schlafen.

 

Nachricht von abgeschobenen Familien

März 2016. Vier Erwachsene und fünf Kinder wurden Mitte März aus Seligenstadt nach Albanien abgeschoben. Der AK Willkommen hat jetzt von beiden Familien Nachricht erhalten: Sie sind alle gut angekommen.

Eine Unterkunft zu finden, gestaltet sich jedoch sehr schwierig. Eine der beiden Familien hat in der Nachbarschaft eine Schlafstelle gefunden, die andere Familie bewohnt zu fünft ein kleines Zimmer bei Verwandten. Für die Anmietung einer Wohnung wollte ein Vermieter eine Jahresmiete in der Höhe von 2.400 Euro, bevor er an eine Roma-Familie vermietet. In Albanien ist das ein enorm hoher Betrag. Wer einer Bevölkerungsgruppe der Roma angehört, wird häufig diskriminiert und in vielerlei Hinsicht benachteiligt: sozial, materiell und politisch. 

Der AK Willkommen gibt Starthilfe. Wer spenden will, hier die Eckdaten für das AK- Spendenkonto:

Kath. Pfarrgemeinde St. Marien – Flüchtlingshilfe
Sparkasse Langen-Seligenstadt
IBAN: DE14506521240001136225
Verwendungszweck: Flüchtlingshilfe (oder spez. Verwendungszweck)

 

Außerordentliche Sitzung der Stadtverordnetenversammlung

März 2016. Das Thema "Flüchtlingsunterkünfte und die Sicherung der Aufnahmefähigkeit für Seligenstadt" stand am Montag, dem 21. März 2016 auf der Agenda einer Außerordentlichen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung. Burkard Müller nahm an dieser Sitzung als Besucher teil. Hier sein persönlicher Kommentar:

Zuerst ein Kompliment. In seiner letzten Sitzung haben sich unsere Stadtverordneten – ohne jegliches Parteiengezerre – einen guten Abgang verschafft. In sachlicher Art und Weise wurde mit Blick auf die Zukunft Seligenstadts eine fundierte Diskussion geführt.

Es ging im Wesentlichen um die Frage: Wie kann Seligenstadt seine gesetzlichen und humanitären Aufgaben hinsichtlich der Unterbringung der zukünftig uns zugewiesenen Menschen gerecht werden, ohne dass die Bevölkerung wesentliche Einschränkungen hinnehmen muss, und wie lässt sich das alles personell und finanziell stemmen?

Keine leichte Aufgabe

Die Schaffung neuer Aufnahmekapazitäten bindet – wie auch immer die Umsetzung erfolgt – die Kommune an langfristige Verträgen. Es gilt, langfristige Verträge abzuschließen bei Planungsdaten, die mehr unbekannte als bekannte Größen beinhalten. Niemand weiß, wie viele Flüchtlinge nach Seligenstadt kommen und wie lange sie letztendlich bleiben. Dennoch besteht für die Stadt – wie Bürgermeister Dr. Bastian richtig formulierte –, die gesetzliche Verpflichtung, für die Unterbringung der zugewiesenen geflüchteten Menschen Sorge zu tragen und entsprechende Vorbereitungen zu treffen.

Eine Problematik, die ganz wesentlich die Entwicklung unserer Stadt beeinflussen wird. Keine leichte Entscheidungen, die hier getroffen werden müssen. Und vielleicht eine der bedeutsamsten Sitzungen, die unser Parlament hatte. Die Diskussion war lebhaft und sachlich. Anregungen wurden gegeben, Problemfelder aufgezeigt. Vieles konnte nicht angesprochen werden. Schnelle zeigte sich: Hier spielt auch die "große Politik" eine Rolle. Den Gemeinden werden Entscheidungen abverlangt, die für uns alle weitreichend sind – ohne über zuverlässige Parameter als Entscheidungshintergrund verfügen zu können.

Schritt für Schritt

Dass der Magistrat die Stadtverordnetenversammlung in seine Überlegungen miteinbezieht, ist zu begrüßen – ein erster wichtiger Schritt. Dass die Stadtverordneten zu dieser Thematik über Parteigrenzen hinweg eine sachliche, themenorientierte Diskussion geführt haben, ist ein zweiter wichtiger Schritt. Es geht nun darum, auch die Stadtbevölkerung mitzunehmen. Viele Fragen, die sich zu diesem Themenkomplex stellen, sind noch offen. Sie gilt es unter Miteinbeziehung der Zivilbevölkerung abzuarbeiten. Mittragen können die Bürgerinnen und Bürger nur Entscheidungen, die sie auch verstehen.

Die Aufgaben sind vielfältig: Ein runder Tisch aller Beteiligten, Bildung einer Stabsstelle, Organisation des Diskurses mit der Bevölkerung, Verbesserung der Informationspolitik, Bereitstellung entsprechender Ressourcen. Vieles ist jetzt gleichzeitig zu tun; etwas davon zu unterlassen, kann das Ganze gefährden. Zu Recht wird immer gesagt, das Thema ist komplex, es muss deshalb auch komplex bearbeitet werden. Den Bürger ernst zu nehmen, ist eine wichtige Voraussetzung. Manche sprechen nur davon, den "besorgten Bürger" ernstzunehmen; nein, alle Bürger ernstzunehmen, ist jetzt umso wichtiger. Wer sich Gedanken macht über die Motive der Protestwähler, sollte sich auch fragen, warum sie zu Protestwählern wurden. Vielleicht, weil ihre Meinungen und Vorschläge nicht gehört wurden. Die Ergebnisse der Kreistagswahlen in Seligenstadt haben gezeigt: Mehr als 85 % der Wähler haben Parteien gewählt, denen sie konstruktive Vorschläge zutrauen. Diese müssen ernst genommen werden und nicht nur diejenigen, die ihren Protest zum Ausdruck bringen wollten. Oder ihre Ängste. Problembewältigung geht nur mit Menschen, die mitmachen.

 

Was uns freut

März 2016. Der AK Willkommen hat eine Mail erhalten von einem Studenten aus Köln. Er verfasst zurzeit eine Hausarbeit zur Migrationspolitik in Deutschland und ließ uns folgende Nachricht zukommen:

"Auf der Suche nach wichtigen Fakten zum Thema Flüchtlinge in Deutschland bin ich mit Begeisterung auf Ihre Seite ( http://willkommenskultur-fluechtlinge-seligenstadt.de/pages/links.php ), gestoßen. Es wurde wirklich viel darüber geschrieben und diskutiert und wir konfrontieren uns jeden Tag mit der Situation, aber trotzdem ist es gut, diverse Stellungnahmen über Deutschlands Flüchtlinge zu lesen."  

Der Student bedankt sich in seiner Mail  für die tollen Informationen, die er auf unserer Website gefunden hat. Der AK Willkommen sagt "Danke" für diese sympathische und motivierende Nachricht, die uns in unserer Arbeit bestärkt.  

 

Abschiebungen in Seligenstadt

März 2016. Am frühen Morgen des 11. März wurde aus Seligenstadt eine albanische Familie von der Polizei zur Abschiebung abgeholt – trotz des noch laufenden Petitionsverfahrens beim Hessischen Landtag! Normalerweise wird während des Verfahrens ein Abschiebeschutz gewährt. Die Familie wurde durch einen Rechtsanwalt vertreten. Nach den Erfahrungen  des AK Willkommen wird, wenn die Petition auch der Ausländerbehörde angezeigt wird, das Ergebnis abgewartet.

Danach besteht ausreichend Gelegenheit, über die Modalitäten zu reden, wie z. B. auch die freiwillige Rückkehr. Viele Helferinnen und Helfer haben angerufen und nachgefragt, viele kennen die Familie. Sie war schon 13 Monate in Seligenstadt, kam in den Unterricht der Ehrenamtlichen, die Kinder waren in der Merianschule. Am Abend vorher hat die Familie in Seligenstadt noch mit ihren Freunden gefeiert, es ging um die Aufnahme in einen Seligenstädter Verein. Die Bilder der fröhlichen Gesichter sind auf ihrer Facebook-Seite. Und dann, überraschend am Morgen ...

Wir sind schockiert und wütend. Den Kindern hätte dieser Schock erspart bleiben können.Wir werden versuchen herauszufinden, was der Hintergrund dieser plötzlichen Aktion war und ob noch etwas zu retten ist. Leider können wir zurzeit nicht mehr sagen, da die Vertretung in diesen Verfahren wohl bei dem Rechtsanwalt lag und wir nicht eingeschaltet waren.

Burkard Müller 

 

Abschiebung einer Roma-Familie aus Seligenstadt

Der Hessische Landtag hat die Petition einer Roma-Familie (Ehepaar mit drei Kindern) abgelehnt. Damit ist die sofortige Abschiebung möglich. Um zu verhindern, dass die "Good Morning"-Aktion (so der etwas zynische interne Begriff für das frühmorgendliche Abholen durch die Polizei) stattfindet, wurde die "freiwillige Rückkehr" mit der Ausländerbehörde vereinbart. Die Familie ist seit 13 Monaten in Seligenstadt und vielen bekannt, da sie sich auch in der Unterstützung der Flüchtlinge und der Reparatur der Fahrräder sehr eingebracht hat. 

Der AK Willkommen dankt allen, die sich durch Schreiben, Gespräche und sonstige Hilfsleistungen für den Verbleib in Seligenstadt eingesetzt haben. Nach unserer Einschätzung waren die Chancen der Integration in unsere Stadt, die Arbeit und Wohnungsfindung durchaus realistisch, hier eine Familien zu verorten, die ohne staatliche Unterstützung durch Arbeit ihr Leben hier führen könnte. Es handelt sich hier um ein Beispiel dafür, dass die politische  Blockade eines qualifizierten Einwanderungsgesetzes zu solchen unsinnigen Aktionen führt und dem Staat Kosten auferlegt, anstatt Einnahmen zu generieren. Nach einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung kostet die Sicherung der nationalen Grenzen – wie dies zum Teil gefordert wird – den Staat 77 Milliarden Euro, mit Zweifeln an der Wirksamkeit. Das ist viel Geld, das an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden kann. Die Kosten werden ja leider von den Befürwortern solcher Grenzsicherungsmaßnahmen nicht erwähnt.

Für uns steht bei dieser Aktion wie immer der Mensch im Mittelpunkt, vor allem die Perspektiven der drei Kinder.  Wir möchten die Familie auch in Albanien unterstützen – zumindest in der Phase des Aufbaus einer neuen Existenz in Albanien.  Neben finanziellen Zuweisungen  an die Familie werden wir versuchen, die Kinder mit Sprachkursen in Albanien zu unterstützen. Durch die freiwillige Rückkehr ist es auch möglich, den Kindern mehrwöchige Aufenthalte  in Seligenstadt zum Erlernen und zur Festigung der Sprachkenntnisse zu ermöglichen. Der Einladende muss dafür allerdings die Kosten tragen.

Damit der Start gelingt, ist jetzt auch Geld erforderlich. Wer unsere Hilfsangebot unterstützen möchte,  kann dies mit einer Geldspende auf das Spendenkonto gerne tun. Eine steuerwirksame Spendenquittung kann erteilt werden. Bitte das Stichwort "Roma" als Verwendungszweck angeben.

Wir können nicht die Welt retten, aber den Menschen helfen, die wir als Fremde hier aufgenommen haben und die nun als Freunde gehen müssen. Auch Kleinbeträge für uns sind in Albanien viel wert. Aus Datenschutzgründen können wir Details nicht veröffentlichen, stehen aber bei Nachfragen gerne für weitere Auskünfte zur Verfügung. Auch Helferinnen und Helfern, die "Lebewohl" sagen wollen, geben wir gerne mehr Informationen.

 

Vielen Dank für Ihre Unterstützung.  
Burkard Müller   

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